Im Interview: Avatar

Avatar rockt Bochum und wir hatten die Möglichkeit uns mit Johannes Eckerström über die Musik zu unterhalten

Im Rahmen vom letzten Deutschlandkonzert der laufenden “Feathers and Flesh” Europa-Tour 2016 hatten wir die Gelegenheit mit Johannes Eckerström, dem Frontmann der Band, über das letzte Album und die Tournee zu sprechen.

Die Tour befindet sich im letzten Drittel, es ist die letzte Show in Deutschland. Wie war es bis jetzt?

Bis auf die Tatsache, dass ich etwas krank bin war es sehr gut. Ich würde sagen, dass es unsere erfolgreichste Tour in Europa war. Es war etwas ganz besonderes, wir konnten einige visuelle Effekte einsetzen, die wir bis jetzt so nicht umsetzen konnten. Damit sind die Konzerte zu richtigen Avatar-Shows geworden.

Was war das lustigste, was euch unterwegs passiert ist?

Hmm, es ist schwer das auf Anhieb zu sagen. Wir fahren mit lustigen Menschen durch die Gegend, aber die Shows sind das, warum wir hier sind. Ich mag dieses “woa crazy road stories” nicht – da habe ich nie was parat. Viele von den wirklich lustigen Sachen will ich auch einfach nicht unbedingt den Medien erzählen (lacht).

Was macht ihr während der Freizeit?

Es gibt keine Freizeit. Wenn es mal etwas Zeit gibt versuche ich Musik zu machen. Wenn man in Europa unterwegs ist, finden die Konzerte meistens irgendwo mitten in der Stadt statt, da gibt es schon eher etwas zu sehen und zu entdecken. Im Gegensatz dazu hat man beispielsweise in Amerika quasi nur einen Wallmart und drumherum ist Wüste. Wenn es wirklich etwas mehr Zeit gibt, versuchen wir es im Moment wirklich dazu zu nutzen, neues Material zu schreiben. Es ist wichtiger sich komplett auf die Shows und Musik zu fokussieren.

Gibt es denn schon konkrete Pläne für die Zeit nach der Tour?

Nicht so definitiv, dass wir sagen könnten “dann und dann sind wir im Studio”. Dafür ist es noch viel zu früh. Wir haben aber schon angefangen neues Material zu schreiben und Ideen zu sammeln.  “Feathers and Flesh” ist ja ein besonderes Konzeptalbum. Da haben wir gelernt abstrakte Dinge zu diskutieren. Ich denke nicht, dass wir etwas in der Art wie “es war einmal…” machen werden. “Feathers and Flesh” war eine Fabel, in der es sich viel um Tiere, Himmel, Erde und Natur dreht. In meinen aktuellen Texten bin ich eher an Dingen wie Lampen, Türen, Auto und Fahrrädern interessiert (lacht). Ich versuche also eine neue Sprache zu finden. Es ist alles noch sehr abstrakt, aber trotzdem haben wir schon ein paar geile Riffs, das ist das wichtigste.

Habt ihr beim Songwriting eine feste Aufgabenverteilung?

Ich würde sagen meistens kommen die Riffs von den Gitarristen. Wir handhaben es so, dass wenn eine Idee präsentiert wird, es zusammen diskutiert wird, sich alle einmischen und wir aus der Idee zusammen einen Song aufbauen. Es gibt auch keine Regel, dass ich alle Texte schreiben muss aber ich bin einfach viel besser darin als die anderen (lacht), also bleibt es quasi immer bei mir.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Sylvia Massy auf dem letzten Album?

Wir haben einen neuen Produzenten gesucht. Unser Management hat uns Kontakte zu großen amerikanischen Namen verschafft. Allerdings waren sie alle schon ziemlich “satt”. Sie erzählten gleich nur von ihren Erfolgen, nach dem Motto “ich habe schon das und das gemacht und hier ist mein Preis”. Das waren solche “ich trage meine Sonnenbrille auch drinnen” – Typen. Es gab einfach keine Passion für die Musik. Sylvia ist auch ein großer Name, wir haben sie über eine Empfehlung kennengelernt. Als wir das erste Mal gesprochen haben, war sie gleich sehr an der Musik interessiert. Wir sagten, dass wir überlegen ein Konzeptalbum zu schreiben, daraufhin antwortete sie “hiphip hurra, da bin ich sofort dabei”. Es hat einfach länger gedauert, bis man angefangen hat finanzielle Dinge zu klären. Es ging sofort um die Kunst und die Chemie hat gestimmt. Sie ist auch einfach genial. Eigentlich lassen sich alle Produzenten in drei Kategorien einteilen.  Es gibt die Techniker, die am Mischpult rumtüfteln. Es gibt die Musiker, die die Musik beeinflussen und es gibt eher die psychologische Herangehensweise. Sylvia ist eine Mischung aus allen dreien. Sie ist eine hervorragende Technikerin. Gleichzeitig sagt sie aber auch “lege dich auf den Boden, wir machen das Licht aus, hier ist noch eine Kerze”. Also all so komische Sachen. Sie ist einfach eine tolle Mischung aus dem, was man sich als Musiker wünscht.

Wie aufwendig war der Dreh zu “The Eagle has Landed”?

Es war wirklich harte Arbeit. Als das Script fertig geworden ist wurde eine Woche lang das Set aufgebaut. Einen vollen Tag haben wir geübt und Sachen ausprobiert. Dann hat der eigentliche Dreh noch einen ganzen Tag gedauert. Also eigentlich recht schnell, wir haben aber auch gut geübt und waren gut vorbereitet.

Eigentlich ist es wirklich recht schnell für ein “One-Take”-Video?

Naja wenn es wirklich schnell gehen würde, dann hätten wir nur 4 Minuten gebraucht (lacht). Ich habe jetzt keine Ahnung, wie viele Takes wir gemacht haben, aber wenn man rechnet, sind 8 Stunden für 4 Minuten Video wiederum sehr viel. Wir wollten aber kein übliches Performance-Video. Das finden wir tot langweilig und das interessiert uns nicht, wenn wir mit dem Video nicht etwas besonderes ausdrücken können. Sowas kann man wirklich in ein paar Stunden abdrehen, da macht man einfach paar unterschiedliche Winkel, lässt ein paar Kameras laufen und der Rest wird zusammen geschnitten. Da findet man immer ein gutes Bild.

Der Bekanntheitsgrad von “Avatar” steigt kontinuierlich. Findest Du, dass es Einfluss auf das Songwriting hat?

Wir sind mittlerweile zu alt um uns um die Meinung anderer zu kümmern. Wir sind keine 19 mehr, wie beim ersten Album. Wir fragen keine anderen mehr sondern machen einfach unser Ding. Natürlich redet man mit den Produzenten und dem Management und holt sich Feedback. Die letztendliche Entscheidung muss aber einfach bei uns liegen. Genau dadurch kamen nämlich auch alle unsere Erfolge. Wir spielen füreinander und für uns selbst. Mit dem steigenden Erfolg wollen natürlich immer mehr Leute rein aber es kommen immer weniger Leute rein. Wir sind jetzt nicht übermäßig berühmt, aber wir sind einfach zu alt dafür, uns zu sehr beeinflussen zu lassen.

Ist die Musik euer Vollzeitjob so dass ihr davon leben könnt?

Meistens. Ansonsten hatten wir immer die Arten von Jobs, wo man spontan für 2 Monate auf Tour gehen kann. Ich habe in Altersheimen gearbeitet. Henrik war bei Ikea. Jonas ist Abrissexperte. Es sehr unterschiedlich, im Prinzip ging es darum, dass man sagen kann “ich kann im nächsten Monat nicht kommen”.

Wie kam es dazu, dass das Aussehen der Band sich verändert hat und ihr euch angefangen habt zu schminken?

Wir haben da Glück gehabt. Als wir “Black Waltz” aufgenommen haben, wussten wir dass wir auf der Suche nach Etwas waren, um den visuellen Auftritt weiter zu entwickeln. Wir wussten allerdings nicht genau wie.  Wir haben als ein paar Shootings als Experiment gemacht. Es waren solche Sachen dabei wie “ich gehe in einen See rein und auf dem Wasser sind Öllampen”. Der Typ, der uns damit geholfen hat, heißt Bryce Graves – ein amerikanischer Freak Show Künstler. Er hat ein paar Tricks wie zum Beispiel Glas Essen gezeigt. Dann fiel uns ein – das können wir doch im Video zu “Black Waltz” benutzen. Wir fragen ihn, wie lange er noch in Schweden blieb – es waren 6 Tage. Also sagten wir “alles klar, lass uns schnell das Musikvideo machen!”. Ich sollte das Lied singen und es sollte zur Atmosphäre passen. Also dachten wir, dass so ein Horrorclown eigentlich eine gute Idee wäre. Das war alles. Aber als die Schminke auf mein Gesicht gemalt worden ist, hat es sofort “Klick” gemacht. Das ganze Gefühl hat sofort gepasst – wir haben so zu sagen unser Äußeres gefunden. Nur wegen Bryce Graves und dieses einen Fotoshootings nahm das alles seinen Lauf. Wir haben uns eher gewundert, warum wir nicht vorher drauf gekommen sind, weil es sich so richtig angefühlt hat. Es gehört aber auch zu der Entwicklung dazu. Wir haben als Teenager angefangen zusammen Musik zu machen. Man kann nicht alles sofort wissen und muss die Entwicklung machen.

Deine Mutter kommt ja hier aus der Ecke, oder?

Genau, sie kommt aus Gelsenkirchen. Ich bin aber in Schweden aufgewachsen. Es sind aber fast alle in den Süden gezogen, also lebt der deutsche Teil der Familie bei Frankfurt und Würzburg.