Brexit und die Popmusik

Ein Kommentar zur aktuellen Lage

Was bedeutet der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union für die nationale und globale Musikindustrie?

Seit der Entscheidung der Briten über den Ausstieg, fragt man sich was passieren wird: Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und die Musikbranche mutmaßen über die Folgen und langwierigen Konsequenzen. Es ist ein Präzidenzfall, keiner weiß wirklich was passieren wird. Auch Stimmen aus dem Kulturbereich mahnen den Ausstieg der Briten vehement an. Ob ein Donnergeröll die Musikindustrie erschüttern wird, weiß keiner.

Der Musikexpress berichtet: “Culture secretary John Whittingdale has no doubt what Britain leaving the EU would mean for the UK’s music industry: absolutely nothing.” Gitarrist Stuart Braithwaite von der britischen Postrock Band “Mogwai” bezeichnete ihn auf seinem Twitteraccount als “fucking moron”.

Viele Stimmen aus der Musikindustrie gehen davon aus, dass sich der Ausstieg negativ auswirken wird. Wirtschaftlich gesehen werden bürokratische Barrieren den eher unbekannten Bands extrem erschweren in Europa auf Tour zu gehen. Die Frage ist nun inwieweit Zollschranken aufgebaut werden und inwiefern ein Ein- und Ausreisen in Großbritannien erschwert wird. Beide Faktoren sprechen dafür, dass nicht nur auf nationaler Ebene Probleme auftreten werden, sondern auch im globalen Wirtschaftsraum.

Wenn sich eine Nation komplett isoliert von den anderen, dann ist dies wirtschaftlich gesehen ein Desaster. Aus Großbritannien kommen schließlich unfassbar viele große Bands, und es gibt unglaublich viel musikalisches Potential was dort brodelt. Die einstige Geburtsstätte der “Beat – Musik”, die Bands wie “The Beatles”, “The Kinks” usw. hervorbrachte mutiert nun zur außereuropäischen einsamen Insel für Musiker.

Werden Booker überhaupt noch Bands aus England hierüber holen können, weil der Ertrag durch horrende Kosten zu niedrig wird? Das sind zur Zeit wichtige Fragen, die nicht nur die Schaltstellen der Musikindustrie interessiert, sondern ebenso die Musiker in ganz Europa. Fallen wir nun in die Zeit zurück, die Importware unbezahlbar machen? Oder erschließen sich mit dem Brexit neue Möglichkeiten? Not macht ja bekanntlich erfinderisch.

Vielleicht liegt die Zukunft nun in virtuellen Konzerten? – Mit der Live-Funktion auf Facebook gar nicht mal so abwegig. Und schließlich schauen mindestens 80% der Konzertbesucher eh das Live-Konzert durch ihr Smartphone an. Grundsätzlich ist der Konsument ja eher am effizienten Kosten-Nutzen Einsatz interessiert. Aber wie weit das gehen wird, kann keiner sagen. Vielleicht ist das alles auch nur Mumpitz und es passiert nichts. Bisher ging man von vielen Horrorszenarieren aus, aber keine hat sich bisher an die Oberfläche getraut. Es bleibt spannend.