Serie: “Fabio fragt” – Beatsteaks

Da sind wir schon beim zweiten Teil der Serie “Fabio fragt” mit unserem Reporter Fabio H. Cesario. Teil 1 (Donots) verpasst? Kein Problem, hier entlang…

Diesmal steht Arnim von den Beatsteaks vor dem Mikrofon.

Wie geht es dir?

Sehr gut, vielen Dank. Und selbst?

Och vierter Tag beim Rock in Vienna und ich lebe noch, unglaublich! Ihr seid aus Deutschland, wo genau kommt ihr her?

Wir kommen aus Berlin. Genauer gesagt 2/3 von uns kommen aus dem Osten und einer aus dem Westen.

Witzig, das Ganze (Anm. d. Redaktion: Deutsche Teilung) ist ja viele Jahre her, aber Deutschland fühlt sich noch geteilt?

Es löst sich langsam in den Köpfen auf, ich denke mein Sohn wird nicht mehr wissen, wovon wir reden. Meine Generation trägt es aber noch mit sich. Eines Tages wird es aber komplett verschwunden sein.

Wie habt ihr mit der Band angefangen?

Wir haben als Freunde angefangen, die sich zwei Mal in der Woche getroffen haben und Songs ihrer Lieblingsbands gespielt haben. Wir haben versucht unsere Instrumente zu lernen, keiner außer unserem Drummer hatte einen Lehrer oder sowas. Wir haben aber nicht aufgegeben und immer weiter gemacht und dazugelernt. Irgendwie sind wir dann auf einer Bühne in Berlin gelandet. Dann die erste Demo aufgenommen. Ab da nahm es irgendwie seinen Lauf. Aber eigentlich wollten wir nie “Rockstars” sein. Wir wollten einfach Spaß an der Musik haben. Wir haben einfach für uns selbst gespielt, bis jemand sagte “ihr seid richtig gut, ihr müsst auftreten”. Nach dem ersten Gig kamen wir auf den Geschmack, wir dachten uns alle “ist doch gar nicht mal so übel vor einem Publikum zu spielen, was zu deiner Musik ausrastet”.

Ihr habt sowohl deutsche als auch englische Texte, wie kommts?

Foto: Fabio H. Cesario

Ja, die meisten unserer Lieder sind in englisch. Wir haben ein paar deutsche, es gibt aber keine feste Regel. Englisch klingt musikalischer, die Musik mit der wir aufgewachsen sind , ist ebenfalls in englisch. Wenn ich auf deutsch singe, liegt der Fokus sofort sehr stark auf dem Text. Für uns ist aber eigentlich die Musik wichtiger, die Texte kommen an zweiter Stelle. Wir versuchen die Musik mit Texten zu füllen, nicht andersrum. Keiner von uns ist ein Schreibgenie. Daher ist das Meiste in englisch.

Wie lange existiert die Band schon?

Unser erstes Album kam 1995 heraus. Wir hatten vor Kurzem das 20-Jährige Jubiläum. Ich kann es eigentlich gar nicht fassen, man blickt zurück und denkt immer noch in der “Fun-Kategorie”. Es ist ein Job geworden, wir sind gewachsen und gewachsen. Es macht Spaß aber es ist auch unser Job, mit dem wir unsere Familien ernähren. Manchmal ist es nicht so einfach, man muss auf seinen Bauch hören und nicht nur Business machen, da es die Musik zerstört.

Gab es Änderungen im Lineup seitdem es die Beatsteaks gibt?

Nach der ersten Tour hat uns der Drummer verlassen, er sagte “es ist super, ich bin gerne mit euch auf Tour aber ich sehe, dass ihr mehr wollt als ich. Es wäre besser, wenn ihr euch nach einem neuen Drummer umschaut. Ich möchte lieber ein geregeltes Leben haben”. Das Gleiche sagte auch der Basser. Wir haben niemals Fremde in die Band aufgenommen. Unser jetziger Bassist ist der damalige Gitarrentechniker, er musste halt Bass lernen. Uns ist es wichtiger, dass der Musiker ein Freund als dass er sein Instrument perfekt beherrscht. Das kommt mit der Zeit von alleine. Wir wollen nicht so enden, dass jeder in seiner eigenen Limousine zum Gig kommt und man nach dem Konzert nichts mehr miteinander zu tun hat. Wir wollen zusammen in einem Bus unterwegs sein. Einfach eine Band sein und zusammen Spaß haben.

Ihr seid das erste Mal beim Rock in Vienna, oder?

Genau, wir waren schon oft in Wien aber noch nie bei diesem Festival.

Wie ist es nun dazu gekommen, dass ihr hier seid?

Nach jedem Plattenrelease kommt die Booking-Agentur zu uns und sagt uns, wo wir spielen könnte und was gut wäre. Wir gehen dann zusammen die Termine

Rock in Vienna 2017, #RIV2017, Foto: Rock in Vienna / Florian Matzhold

durch und entscheiden. Wir haben uns also für Rock in Vienna entschieden, weil wir noch nie hier waren.

Das neue Album heißt “Yours”, ich glaube ihr habt schon 4 Songs released?

Genau, das Album ist eins der längsten, die wir bis jetzt gemacht haben. Es gibt nicht “den” einen Song, der das gesamte Album repräsentieren kann, der Sound ist einfach zu vielfältig. Also haben wir uns entschieden vier Songs auszukoppeln.

Hören wir heute ein paar davon?

Ja, wir versuchen es zumindest mit zwei (lacht). Es ist immer viel einfacher die alten Dinger zu spielen, man weiß wie die Dinger funktionieren und wie das Publikum reagiert. Bei den neuen Sachen muss man manchmal mutig sein.

Ihr wart schon zwei mal in Argentinien, was ist mit Brazilien?

Oh sehr gerne, unser Drummer war schon eine längere Zeit und ist durch das Land gereist. Bis jetzt hat sich noch nie die Möglichkeit ergeben. Oft ist es ein rein finanzielles Problem – wir sind fünf Leute, es gibt eine Menge Equipment. Die Sachen rüber zu bekommen kostet natürlich Geld. Wir müssen nicht zwingend etwas verdienen, wenn wir unter dem Strich auf +-0 kommen können, sind wir dabei!

Vielen Dank für Eure Zeit und genießt das Festival!

 

*Titelbild: Florian Matzhold/Rock in Vienna