Serie: “Fabio fragt” – Donots

Backstageserie mit Fabio H. Cesario

Wir läuten eine neue Serie: “Fabio fragt” mit unserem Reporter Fabio H. Cesario ein. Fabio treibt sich für uns in den Backstages dieser Welt rum und fängt die Stimmen der Bands ein.

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Foto: Fabio H. Cesario

Wir starten die Serie mit Ingo von den “Donots”, gefragt beim “Rock in Vienna”.

Wie geht es dir Ingo?

Ich kann nicht klagen, der Kater ist nicht all zu schlimm von der letzten Nacht. Wir haben ja beim Rock am Ring, dem größten deutschen Festival gespielt und sind heute früh in Wien gelandet. Wenig Schlaf. Viel Gin Tonic. Auf der anderen Seite, wir sind hier für die Drinks, also es wird definitiv Spaß machen! Wir sind froh hier zu sein.

Och eigentlich siehst du recht frisch aus!

Das ist die größte Lüge ever, aber danke 😉 (lacht)

Ihr seid ja aus Deutschland. Wo genau kommt ihr her?

Wir kommen aus Ibbenbüren, nord-westen der Republik. Die nächst größere Stadt ist Münster und danach Köln. Nur um eine ungefähre Richtung zu bekommen. Ibbenbüren ist eine sehr entlegene Stadt mit nur etwa 10.000-15.000 Einwohnern. Allerdings hatten wir dort schon immer sehr gute Jugendzentren und Clubs. Als wir in den 90’ern angefangen haben, wuchs die Szene gerade. Jeder hatte eine Punk-Band. Wir haben als eine Truppe gelangweilter Teenager angefangen. Eigentlich ging es darum einen Ort zu finden, an dem man Bier trinken konnte. Wir fingen also damit an, Bands die wir mochten, zu covern. “Sex Pistols”, “The Clash”, “Bad Religion” und solches Zeug. So fing es an, wir sind dann Schritt für Schritt gewachsen. Eigentlich wollten wir es nicht hauptberuflich machen. Ende der der neunziger haben wir unseren ersten Plattendeal unterschrieben. Eigentlich studierten wir gerade alle, also war es eher so “ja komm lass uns ein Jahr Spaß haben und dann zurück zur Arbeit gehen”. Aber wir hatten Glück und können das machen, was uns Spaß macht. Dieses Jahr gibt es die Band seit mittlerweile 23 Jahren. Wir spielen die größten Shows, haben 3 US-Tours gespielt, 7 Mal Japan, Europa. Und überall gibt es kostenlose Drinks!

Ihr seid also schon seit 23 Jahren dabei?

Ja, in Dezember 2016 haben wir unsere 1000ste Show gespielt. Wir haben es in unserer Heimatstadt in einer ausverkauften Halle mit 6500 Besuchern gefeiert. Es ist unglaublich. Es ist so eine lange Zeit, aber es fühlt sich gar nicht so an. Vielleicht ist es auch das Geheimnis wie eine Band so lange zusammen bleiben kann – viele Bands fangen an sich zu langweilen und sich zu hassen. Wir dagegen sind eine große Familie und genießen die Zeit zusammen. Vielleicht hört es sich nach einem Hippie an: ich war schon immer an der Punkszene interessiert. Wir waren mit so vielen unterschiedlichen Bands auf Tour – “Flogging Molly”, “Anti Flag” und alle teilen etwas – man lädt sich gegenseitig ein, es ist ein großes Miteinander.

Gab es in den 23 Jahren Veränderungen?

Foto: Fabio H. Cesario
Foto: Fabio H. Cesario

Die einzige Änderung, die es gab, war im allerersten Jahr. Da haben wir einen neuen Gitarristen und etwas später einen neuen Drummer bekommen. Ansonsten sind wir tatsächlich die ganze Zeit mit dem gleichen Lineup unterwegs. Das ist wirklich unglaublich. Viele unserer Freunde in anderen Bands drehen sozusagen das Rad und wechseln die Leute durch. Wir sind zum Glück nie in so einer Situation gewesen. Alles was wir mit “Donots” tun ist in erster Linie eine Freundschaftsentscheidung. Das Business kommt immer erst an zweiter Stelle, obwohl wir unser eigenes Label und unser eigenes Management sind. Wir waren bei “Universal” und früher bei “Burning Heart” aus Schweden. Aber dieser DIY Gedanke gefällt mir viel besser. Ich bin ein Kontrollfreak, ich möchte am liebsten nichts aus der Hand geben und verstehen, was um uns herum passiert.

Habt ihr schon in Süd-Amerika gespielt?

Noch nicht, wir waren paar mal in Nordamerika. Wir würden da gerne hin, wir bekommen immer sehr viel Fanpost von dort und fragen uns immer “woher zu Teufel kennt ihr uns?”. Ich bin jedenfalls froh drüber und würde auch auf dem Mond spielen, wenn es dort einen Stromstecker gibt 😉 Süd-Amerika steht also definitiv auf dem Plan, alles was ich von dort gesehen habe ist so unglaublich. Die Fans gehen total ab und jede Band, die dort gespielt hat, schwärmt von den Leuten und der Stimmung. Wie gesagt, wir spielen überall, wo es Strom gibt. Das trennt auch die guten von den scheiß Bands – die guten sind in der Lage sich den Gegebenheiten anzupassen, sei es eine riesige Bühne oder ein Bahnhofsklo. Es gibt Bands, die ich lieber in kleinen Clubs sehe und Bands, die ich lieber auf großen Festivals erlebe. Wenn du es schaffst beides hin zu bekommen, bist du weit vorne dabei.

Du sagtest, dass ihr schon in Amerika wart. Wo habt ihr dort gespielt?

Wir waren ungefähr 3 Mal in New York, dann waren wir noch in New Jersey, Long Island, L.A., San Diego, Seatle, Oakland, Portland, Salt Lake City. Das war ein wilder Monat! Vor einem Jahr waren wir beim “Salty Dog Cruise”, ich weiß nicht, ob du das kennst. Es geht los in Miami, dann gehts um die Bahamas. Wir waren da zusammen mit Flogging Molly, einer Punk-Rock Karaoke Band und noch vielen weiteren Bands. Auf dem Schiff waren ca. 2000 Leute. Tagsüber bist du also auf den Inseln und nachts spielst du auf dieser riesigen Fähre. Das ging ungefähr eine Woche und überall gabs kostenlosen Alkohol! Die Leute sind total fit und lebendig auf das Boot und 4 Tage später gehen die total grau und fertig von diesem Ding runter. Keiner erinnert sich was passiert ist und das ist immer ein gutes Zeichen!

Was macht ihr als nächstes nach Rock in Vienna?

Wir fahren nach Hause. Nächstes Wochenende sind wir in der Schweiz auf einem Festival. Dann spielen wir noch mit Bad Religion auf Mallorca. Insgesamt sind es etwa 10 Festivals im Sommer. Könnte schimmer sein 😉 Wir sind gerade mit der neuen Platte fertig geworden, die wird kommende Woche gemixt. Anfang 2018 kommt das Album dann raus.

Ich wünsche euch eine verdammt geile Show heute!