anorak. / Coppersky/ Idle Class – Oberhausen

Utrecht küsst Köln und geht fremd mit Münster

Schuhe geputzt, Kamera umgehangen und mit großer Neugier bepackt fuhren wir nach Oberhausen ins “Druckluft” zum Konzert von “anorak.” und den Specials “Coppersky” und “Idle class“. Wir waren positiv sowie negativ überrascht. Das Bierchen lief gut, die Stimmung offenherzig und ausgelassen.

Die Location “Druckluft” macht ihrem Namen aller Ehre, Graffitikunst, abgetanzter Boden und schwere Wände erzählen Geschichten die Jahrzehnte zurück liegen. Es ist Sommer, es ist Festivalzeit vermutlich erklärt dieser Umstand die eher mäßige Masse an Zuschauern. Am Setting wird’s wohl kaum liegen, schließlich bietet das “Druckluft” alternative Musikkultur vom feinsten. Umso verwunderlicher ist es manchmal warum so wenig Menschen zu Konzerten kommen. Liegt das an dem verwöhnten Partyvolk, dass sich vom massenkulturellen Angebot mehr angezogen fühlt, als sich von atypischen Musiksounds überraschen zu lassen. Auf die Reise zu gehen, durch die kleinen Clubs zu tingeln um ein Potpourri an Newcomern kennen zu lernen, die nicht vom Monster Majorlabel gefressen wurden, scheint vielen mittlerweile zu müßig geworden zu sein. Man wird dann doch bequemer, macht Spotify an und hört die beste abgemischte Liveperformance der Lieblingsband.

Kurzum live lernt man die Bands doch viel besser kennen und hört nicht nur das musikalische Talent sondern wird noch im besten Fall unterhalten durch lustige Anekdoten. Das macht ja eigentlich den Charme einer Band aus, nicht die perfekt abgemischte Platte, die so rein und klar den dreckigen Sound verhunzt. Zumindest nicht an jenem Abend als “anorak.”, “Coppersky” und “Idle class” auf der Bühne standen.

DSC_2474Als Erik von “Coppersky” seine rotzige, whiskygetränkte Stimme erhob kam endlich musikalisches Neuland auf uns zu, dass mit allen Wassern gewaschen ist. Die Utrechter sind unsere positive Überraschung an diesem Konzertabend. Meine erste Assoziation war eine Mischung aus Chuck Ragan und Ben Caplan, gewürzt mit der Melancholie Frank Turners und der Dramatik Matt Berningers. Von der ersten Note an, war ich vollkommen überzeugt. Die Band hat alles Dynamik, tiefgründiges, elektrisierendes und einen runden rotzigen Sound. Die drei Brüder und ihre zwei Kumpels haben einen Sound kreiert der poppiges, rockiges und punkiges zusammenfügt. In Genrebezeichnungen könnte man die fünf in die Schublade Indie Rock beherzt packen.
DSC_2662Beflügelt vom ersten musikalischen Höhenrausch, zwei Biere weggetragen und mit Neugier aufgetankt, reißen “anorak.” die Bühne aus ihren Ankern. Die Kölner haben mit ihrem Debütalbum “enthusiasts and collectors” ein stimmiges und nachdenkliches Potpourri an screamo-post-hardcore-indie Geschrammel” auf den Markt geschmissen. Umso gespannter war ich, die Kölner mal live zu hören. Musikalisch gesehen wirkt ihre Liveperformance allerdings eher begrenzt. Die Stimme von Philipp ist vermutlich auch nicht was für Jedermann. Kritiken wurden in unserer bescheidenen Runde getätigt, dass die Jungs definitiv Potenzial haben, ihnen aber noch das gewisse Etwas fehlt. Touring und Bühnenpräsenz will gelernt sein. Jeder fängt mal klein an und entwickelt sich mit der Zeit von der Raupe zum wunderschönen Schmetterling. An ihren musikalischen Ansätzen und Ideen darf man nicht rütteln und nichts verschmähen, aber es ist durchaus ausbaufähig und verbirgt eine rosige “anorak.” Zukunft. Demnach war unser Fazit bezüglich “anorak.”: Entwicklungsprozess ankurbeln und einen mega Spaß an Musik beibehalten.

DSC_2856Zu guter letzt begegneten uns die Jungs von “Idle Class”. Sie selbst beschreiben sich wie folgt: “Ihre patente Melodic-Punk-Mischung brilliert als Bindeglied zwischen den Klängen von Fat Wreck Chords-Evergreens und Run For Cover Records-Neuklassikern. Die feinfühligen Geschichten stammen aus der Mitte des Lebens, und zeugen von einem unter die Haut gehenden Storytelling-Talent.” Besser hätte ich das auch nicht schreiben können. Mich beflügelte die Assoziation mit “Taking Back Sunday” neben der außerordentlichen Bühnenperformance. Die Münsteraner räumen den Laden, wie es sich so als Punk-Band gehört, mächtig auf. Das übliche “ich-steh-hinten-weil-vorne-keiner-steht”- Publikum rückt näher und lässt sich vom Wachmacher “Idle Class” hypnotisieren. Ein lautes, wahnsinniges, ramontisches Stück Punk-Rock schwingt noch auf dem nach Hause Weg hinterher.

Zusammengefasst: ein Triptychon differenter musizierender Freaks, ohne einen Hauch von Langeweile aufkommen zu lassen, bereicherte unser Musikherz. Und eins noch: Geht verdammt nochmal mehr zu Konzerten!