FM4 Frequency Festival 2017 (St.Pölten)

Für uns ging es nach dem “Open Flair” ohne Pause zum “FM4 Frequency Festival” in St. Pölten.  Also das Nötigste zusammengepackt und zu einer unmenschlichen Zeit in den Flieger nach Wien gestiegen. Nach einer verregneten Woche sollten uns 3 herrliche Sonnentage bei angenehmen 25° C erwarten.

Es ist groß!

Die Anreisewelle und die Menschenmassen lassen die Größe der Veranstaltung erahnen. Trotzdem läuft alles sehr organisiert ab, es gibt keine langen Schlangen, die Bänderstationen und Kassen funktionieren einwandfrei. Nach einer kurzen Suche finden wir das ausgeschilderte VIP Camping. Für alle, die ein Festival abseits des üblichen Campingchaos genießen wollen, ist das eine recht gute Alternative. Der besagte Campingplatz ist überschaubar. Sanitäranlagen gibt es in unmittelbarer Nähe. Ein weiterer Pluspunkt ist die Nähe zum Gelände, in weniger als 5 Minuten ist man schon auf dem Veranstaltungsgelände.

Es ist imposant groß!

Allein das Gelände ist groß, aber was wirklich imposant ist, ist die Haupbühne – “Space Stage”. Der Aufbau über die ganze Geländebreite lässt schon eine leichte Gänsehaut aufkommen. Hier wurde nicht gekleckert sondern geklotzt. Noch ist es leer, wie wirkt es wohl wenn die Besucher da sind, Scheinwerfer das Publikum beleuchten und Musik läuft? Es wird gigantisch!

Einige der Bands, die wir vergangene Woche in Deutschland beim “Open Flair” gesehen haben, sind ebenfalls nach Österreich  gereist. Somit beginnt für uns der Dienstag mit “The Pretty Reckless”. Taylor Momsen sorgt, wie erwartet, für hohen Puls bei den zahlreich anwesenden Teenagern – bei den ersten Songs kann die Lautstärke auf der Publikumsseite durchaus mit der PA mithalten. Vermutlich liegt es an der hohen Frequenz der Stimmen der Mädchen am Wellenbrecher – schließlich sind wir ja beim “Frequency” Festival.

Angrenzend an die “Space Stage” befindet sich eine weitere Bühne – die “Weekender Stage”. Ganz praktisch in einer großen Halle, falls das Wetter doch mal schlechter sein sollte. Insgesamt gibt es fünf Bühnen unterschiedlicher Größe bei dem Festival. Wir bleiben jedoch noch kurz bei “Little Hurricane”, einem Rock / Blues Duo aus San Diego. Angenehmer, entspannter Sound und schön anzuschauen.

Die beiden Headliner des Tages, “The Offspring” und “Billy Talent” liefern solide ab, das Gelände ist voll und die Menschenmassen sind eindrucksvoll vom “Red Bull Flightdeck” oder der seitlich aufgebauten Tribüne anzuschauen.

Persönliches Highlight

Der Mittwoch steht ganz im Zeichen unseres persönlichen Highlights: “Placebo”. Als Headliner darf, oder besser gesagt muss die Band zuerst die Backline aufbauen und den Soundcheck machen. So hören wir schon gegen 9 Uhr in der früh vom Campingplatz was uns später zu erwarten hat.

Das LineUp ist mit vielen interessanten und guten Akts gefüllt, so pendeln wir zwischen der “Space”- und der “Green Stage”. “The Amity Affliction”, die wir beim “Open Flair” verpasst haben, ist eine der härteren Bands auf dem Festival. Es finden sich aber immer wieder DJs, wie beispielsweise “Flume”, “Robin Schulz” oder “Alan Walker” auf dem Timetable. Dennoch ist es für mich, bei aller Offenheit und Toleranz schwer, sich für diese Art von Musik zu begeistern. Die Auftritte dieser DJs haben nichts mit einer Liveband, die tatsächlich Instrumente spielt und Klang erzeugt, gemeinsam. “Flume” stellt 2 Laptops mit einem Apfellogo auf, drückt auf einen Knopf und lässt sich feiern. Ok, zwischendurch wird auch mal an einem Regler gedreht. Ist das Kunst oder kann es weg? Dem Publikum scheint es jedoch zu gefallen.

Leider überschneidet sich “Cypress Hill” mit “Placebo” im Zeitplan, wir entscheiden uns für die “Space Stage” und Placebo und werden nicht enttäuscht. Bei mäßig gefülltem Platz vor der Bühne (die meisten Besucher haben sich wohl doch für “Cypress Hill” entschieden), erleben wir unser Festivalhighlight. “Placebo” ist gewohnt gut, mitreißend und melancholisch. Mit Hits wie “Without You I’m Nothing”, einem Track auf dem David Bowie mitsang und der Band den ersten Plattenvertrag verschaffte oder mit einem der neuen Songs – “Jesus Son”, kann das englische Duo das Publikum begeistern. Placebo-typisch spielen 4 weitere Musiker bei Live-Shows mit, leider ist Fiona Brice nicht mehr dabei. Sie konzentriert sich auf die eigenen Projekte und wird von Angela Chan an der Geige und Keyboard ersetzt.

Heimspiel

Das Publikumshighlight am Mittwoch ist unverkennbar “Bilderbuch”. Die österreichische Band feiert in St.Pölten ihr Heimspiel. “Bilderbuch” spielt einen Mix aus Indie-Rock, Art-Punk und Hip-Hop. Gleichzeitig ist die Band aus Wien auch der erste Festivalheadliner aus Österreich. Vor ein paar Jahren waren die Wiener selbst noch Besucher und nun spielen sie vor komplett gefülltem Festivalgelände.

Und schon ist es vorbei

Der letzte Festivaltag hat mit u.a. “Samy Deluxe”, “Jennifer Rostock”, “Kraftklub”, “Mumford & Sons”, “Wanda” und “Rise Against” noch einiges an hochkarätigen Namen zu bieten. Besonders heftig ist der Andrang bei “Kraftklub” an der “Green Stage”. Es macht den Anschein, als wäre das Gelände – ein Fußballfeld – für die Besucherzahlen zu klein. Es gibt kein Durchkommen, vorne werden einige Festivalgänger von den Sanitätern verarztet.

Wir wollen aber “White Lies”, eine Post-Punk Band aus London hervorheben. Der elektronisch angehauchte, melancholische Sound spricht uns voll an. Es ist eine der Bands, bei denen wir hängen bleiben und das ganze Konzert anschauen. Es ist mal wieder die lieblings Festivaluhrzeit mit tief stehender Sonne und nicht ganz vollem Gelände angebrochen.

Fazit

Wir haben uns beim “Frequency” Festival sehr wohl gefühlt. Trotz der immensen Größe sind die Laufwege nicht zu lang, es gibt viele Bühnen und damit ist auch für jeden Geschmack etwas dabei. Vom Riesenrad, welches sich auf dem Gelände befindet oder einem der Decks hat man einen beeindruckenden Überblick über das Publikum und die imposante Mainstage. Die Campingplätze entlang der Traisen sind schön gelegen und man kann sich im Fluß abkühlen. Wir finden: trotz der anstrengenden Anreise hat sich das Festival gelohnt. Wir kommen gerne wieder!