Garden of Arts Festival – der zweite Tag

IMG_8741Lachmuskelkater hin oder her, gestärkt und ausgeschlafen geht es zum zweiten Tag bei unseren Freunden vom Garden of Arts Festival. Im nachmittäglichen Sommerlicht eines kleinen, verzierten Hinterhof Gartens erklingen die ersten Akustik Gitarren, die Combo “Stefan Flanders” haut in die Saiten und gibt eine Mischung aus Minigolf-Musik mit Akustik-Tarnkappe und Akustik Punkrock zum Besten, dass das Bier warm wird. Wir sind umgehauen, wenn das schon so famos anfängt, wie soll zur Hölle der Höhepunkt des Tages aussehen, dachten wir.
Aber es kommen noch einige Überraschungen und Wendungen auf uns zu mit denen wir so nicht gerechnet haben. Energetisch und liebevoll-dramatisch zugleich hauen die Brüder Flanders die Songs aus ihren Gitarren. Der Atem stockt und diese wertvollen 30 Minuten mit den beiden bleibt unvergesslich.

Ebenso haben uns “Abnormal End” von den Socken gehauen, mit ihrer Akustik Session konnten die harten Kerle CLA_8683auch ihre zarte Seite zeigen. Eine Art Akustik Metal a la “System of the down” und “Eddy Vetter”. Sänger Lukas Nießen entpuppte sich als begnadetes Gesangswunder. Zwischen laut und leise war so viel Emotion. Mit voller Hingabe und musikalischen
Können hauen die Jungs eine Performance auf der Bühne, die unvergesslich ist, sich eingebrannt hat und sich für immer verankert hat in den Tiefen meines Broca-Areals. Zumal das Quintett die Geburtsstunde ihrer ersten Akustik Platte namens “RE:Nature” feierten. Wir waren hin und weg von ihrer Melancholie und Stärke zugleich.

Ein weiteres Highlight waren die Jungs von “Parcours“, dessen Performance mich sehr entzückte. Die machen iIMG_8805rgendwas zwischen Bon Iver und Elliot Smith mit poppigen Sounds abgerundet. Der Song “Paris” fällt unter den schönsten Ohrwürmern von 2016. Dabei reisen die beiden Herren erst seit 2015 durch die Welten Nordrhein-Westfalens. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Newcomer Indie-Pop-Rock Duo über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus bewundert wird.

Dann waren noch der “Michi & der Sprenz” im lauen Sommerabend Licht am musizieren. Paralysiert von sphärischen Indie Sounds fiel es etwas schwer in diese Comedy-Singer-Songwriter Bühnenshow reinzukommen. Die Musik ist Mittel und Zweck humoristisches Gedankengut in die weite Welt zu posaunen. Musikalisch gesehen kein Gehörschmaus, aber Bühnenpräsenz und Unter-haltungsniveau sind hoch angesiedelt. Man spürte die beiden CLA_8662hatten mega viel Spaß. Ganz zu schweigen von dem Hauptact “Musik for the Kitchen“, die den Weltrekord des längsten Soundchecks geknackt haben. Eine halbe Stunde lang stand man sich die Beine in den Bauch und hörte fast das ganze Set. Plötzlich war alles vorbei, die Bühne war leer. Nach ewigen Minuten kamen die Herren nun auf die Bühne und dann ging es los. Aber nein, falsch gedacht. Da verwies der verwegene Akkordeon Spieler die Pressefotografen doch lieber die Theke aufzusuchen bis die Show im vollen Gange sei. Die Logik habe ich nicht ganz verstanden. Ich dachte so eine bekannte, gelobte Band müsse doch wissen wie der Hase läuft. Man entschied sich scheinbar Höheres anzustreben mit dem IMG_8914Duktus die Menschen vor der Bühne sind nur Requisiten. Man muss schon diese Mischung aus Schlager-Polka-Liedermacher Straßenmusik mögen. Größtenteils wurden alte Kamellen rausgehauen, die zumindest den richtigen Beat geben zum gepflegten Tanz-Gerangel. Die Band funktioniert durch spielen von Coversongs die jeder kennt, ohne diesen Wiedererkennungswert kann ich mir schwer vorstellen, dass diese Band Erfolg hat.

Kurz gesagt: alle fanden es geil nur wir nicht. Aber das muss nichts heißen. Das was die da machen ist musikalisch gesehen eine ordentliche Leistung. Vereitelt man die aufschäumenden Nicht-Sympathien bleibt zumindest ein hoher Unterhaltungswert.

Der Tag war lang und vielfältig, mit tollen Überraschungen und einer Menge virtuose Musiker. Wir werden definitiv nächstes Jahr wieder die Festivität akustischer Gitarrenmusik aufsuchen. Und diesmal ziehen wir die drei Tage durch… Leider konnten wir nicht den dritten Tag erleben. Den legendären dritten Tag mit dem absolut hypergenialomat Headliner Namens “Mondo Mash up Soundsystem“, ein musikalisches Wunderwerk. Schreibt euch das Garden of Arts 2017 hinter die Ohren. Mit liebevoller Hingabe der Crew, die alles selber bauten, machten, rückten, erdachten hat mehr als Cyber-Applaus verdient. Beehrt diese Veranstaltung, macht selber mit oder kommt einfach auch nur auf ein Bierchen rum.