Garden of Arts 2016 – First Date

Wer war schon einmal beim Garden of Arts Festival? Ok mit so vielen Händen oberhalb des Brustkorbes  habe ich nicht gerechnet. Aber mit Fug und Recht kann man schon behaupten, dass ne Menge Menschen sich jedes Jahr über dieses kleine liebevolle Festival der Künste freuen. Immerhin geben sich die Helfer  dieser Festivität auch nach fünfjährigen Bestehen liebevoll die Mühe, um Künstlern und ihren Zuschauern ein unvergessliches Festival zu bereiten.  Dieses Jahr, anders als zuvor die Jahre, gab es zur Eröffnung eine kleine aber feine Poetry Slam Challenge mit vier herzzerreißenden Herren, die ihr Schreiberherz zum Besten gaben. So viel sei gesagt: das Publikum war außer sich. IMG_8507

Ich mag ja Menschen die wissen was Wortgewandtheit ist, kein intellektuelles Gebabbel, kein tiefgründig, ernstes “kafkaeskes Herumtreiben”. Nein, die vier Herren, so unterschiedlich auch ihre Darbietungen waren, so waren sie doch alle vier in einem Punkt gleich: sich selbst nicht zu ernst nehmen und einen riesigen Spaß am Slammen verbreiten. Aber das Ganze nicht umsonst und einfach der Kunst wegen, sondern zwischen den Zeilen und auch frei vom Leder gehauen liegt neben einer  Melancholie die beinharte Realität.  Die Verarbeitung gesellschaftlicher Themen wie die Flucht aus dem Herkunftsland, Freundschaft, gesellschaftliche Erwartungen, Filmriss und natürlich die Liebe wurden fulminant aufbereitet. Und lässt das Schreiberherz höher schlagen.

Hart umkämpfen sich vier Herren der Slammerszene:

IMG_8522Mustafa Siala, der der sich entscheiden muss zwischen “Boot oder Tod” in ernster feinsinniger und detaillierter Miene beschreibt er minuziös das Leid einer Flüchtlingsfamilie. und zwischen den Zeilen: Anmahnung und Aufklärung zugleich. Es scheint, als würden die individuelle Gedanken die Gedanken einer ganzen Generation paralysieren. Von ernster Miene direkt zu Benjamin Poliak, der der nicht nach Nicaragua reisen möchte, sich nichts vorschreiben lässt und all diese Konventionen, die die Probleme eines durchschnittlichen Jugendlichen Tag um Tag belästigen in Frage stellt. Mit Wortwitz und feinsinniger Feder entpuppt sich dieses raffinierte Kerlchen zum überaus weisen und scharfsinnigen Slammer. Im Anschluss dieses überaus überraschenden Höhepunktes tritt Malte Küppers in den Vordergrund. Maltes bester Freund ist der Kater, nach einem wilden Wochenende findet er seine Boxershorts vor der Haustür und plädiert für härtere Konsequenzen bei Saufspielen.  Aber immerhin ist Dörte, halb Döner, halb Torte, in diesen schwierigen Tagen an seiner Seite und sorgt für fröhliche Konfetti Shooter in Afrika. Zurück aus Afrika lernten wir den Lionel Messi unter den Poetry Slammern kennen namens “Zwerg Riese”. Er sticht nicht nur aus der Reihe bezüglich der Namensgebung.  sondern trägt seinen Text frei vor und ausschließlich erquickende, tiefsinnige, emotional, poetische Reime. Also mehr so der klassische Poetry Slammer, der der sich wohlmöglich mit Goethe messen könnte. CLA_8529

Zwei Runden, jeder gegen jeden, Zahn um Zahn. Im Finale standen dann die zwei Besten. Die Jury wurde fachgerecht aus dem Publikum rekrutiert. Auf einer Skala von 1-10 wählten die Jurymitglieder unter harten Bedingungen und einem argwöhnischen Auge, fachmännisch die Votierung. Offensichtlich scheint die Jury einen Gefallen an der Zahl 7 entwickelt zu haben. Dennoch erhielt, Trommelwirbel, Benny den Pokal.

IMG_8692Fazit: Lachmuskeln wurden ordentlich trainiert. Alle vier sind auf ihre Art und Weise großartige Wortakrobaten, die mehr als Applaus verdient haben.