Laut&Lästig Open Air 2016

Wir singen: Soße. Kamen singt: im Gesicht

Was passiert, wenn man 9 Bands eine fette Bühne hinstellt, Konfettiregen bestellt, nen fetten Sound mixt und 50 Helferinnen und Helfer in die Hände spucken, und einen gewöhnlichen Schulhof in eine Rock n Roll Area verwandelt?  Ganz einfach, Laut&Lästig: das Resultat sind 10 Stunden perfekt geplantes Musikprogramm mit Herzschmerz, Partywölfen, Konfettiregen, einem fetten Sound, genialen Musikern, die unterschiedlichste Rockmusik zum Besten geben und ungeplante Stand-up-Comedians, welche die Bühne heimsuchen.  Auf den Punkt gebracht: Hammer Tag mit Lieblings-Menschen und viel Liebe zur Musik, das ist das Laut&Lästig OpenAir 2016.

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Dieses Wunderwerk stemmen 50 liebe Helferinnen und Helfer des Vereins Laut&Lästig e.V. aus Kamen, allen voran ihr analytisches, planwütiges, kreatives Köpfchen Namens Nils Dauk. Der tüchtige Veranstaltungsmanager macht seinen Beruf zum Hobby oder anders rum heißt es, macht sein Hobby zum Beruf. Nils ist der Strippenzieher, der der den Plan hat, vor Ideen sprudelt und das Glück hat ne Menge toller fleißiger Gleichgesinnter an der Backe zu haben, die gemeinsam etwas auf die Beine stellen, was einer alleine gar niemals schaffen kann. Der Verein hat sich der Musikszene in Kamen angenommen und unterstützt eine rege vielfältige Musikszene. Sie nehmen den kulturellen Auftrag sehr ernst und sorgen dafür, dass auch die letzte Reihe zum Rhythmus hin und her schunkelt und das schon seit 1988. Seitdem kann der Verein nicht nur Hometown-Bands auf die Bühne holen, sondern beweist jedes Jahr aufs Neue mit bekannten Bands wie  z.B. “Russkaja”; “KMPFSPRT” und “Kapelle Petra” wie professionell das Ganze organisiert wird. In diesem Jahr ergatterte der Verein die Punklegende der 80`er Jahre ” die wiedergefundenen “Abstürzende Brieftauben”. Mirko und Olli haben sich gefunden und feiern nun eine kleine Tour die Wiederbelebung alter Punkertage, quasi nach dem Motto: Einmal Punk immer Punk! Wie Mirko brachte es auf den Punkt, du brauchst keine blauen Haare um Punk zu sein, Punk ist in deinem Herzen und keine Modeerscheinung. Getreu diesem Motto kann man sich den Flair, die Stimmung und die Gesinnung der Bands, Helfer und Vereinsmitglieder vorstellen.

Der ganze Tag war durchzogen von schönen Momenten, herzzerreissendem Wortwitz und ner Menge musikalischer Eindrücke: IMG_7268

Wo soll ich anfangen bei den aller aller Besten, bei der besten Bühnenpräsenz, dem emotionalsten Moment, dem schlechtesten Auftritt, dem Publikum. Egal wo ich anfange es gibt viel zu erzählen. Wir könnten Pokale für die charmanteste Band oder für die lustigste Band verteilen, aber es wird schwer den einen Sieger auszumachen, denn alle Bands sind so individuell und gut in dem was sie da oben im Rampenlicht tun.

Die wohlmöglichst größte vertretene Szene-, Genre-Gruppe war dem Punkrock verfallen. Neben dem Headliner “abstürzende Brieftauben” haben die Jungs von “Cash for Trash” die Bühne gerockt und die Jungs von “Bluff” hauten ebenso rasanten gediegenen Punkrock ihren Jüngern vor den Latz, dennoch die Kollegen von “Westwerker” und “Römisch III” ebenso die “Awesome Scampis” haben einen deutlichen Drang Richtung Punkrock, mischen aber noch einiges anderes an musikalischen Einflüssen hinzu.

Die Band “Chabby Sue” hatte die Ehre das Tagesfestival zu eröffnen und bot eine Mischung auIMG_7108s Editors, Mando Diao und Justin Bieber. Synthesizer, Akustik Gitarre und E-Keyboard vermischten ein abwechslungsreiches Set, das durchaus seinen eigenen Charakter hat. Ganz im Gegensatz zu “Sleeping God” dem Shouting basierten Hardcore Punk unterliegt ein leicht chaotischer Soundteppich. Dennoch reisst die aufploppende Melancholie alles Böse des Shoutings auseinander, so dass das hart/weiche Herz ganz entzückt ist. Und zack aus dem musikalischen Katapult herausgezogen sorgen “Westwerker” für progressiven deutschsprachigen Punk-Rock. Wenn einer verzerrte Gitarren hören will, der kommt bei “Westwerker” voll auf seine Kosten. Ein solides Set lässt die aufgelöste Hardcore beschallte Meute wieder ruhiger werden.

Ein kurzes Zurücklegen und ein Bierchen genüsslich schlürfen wird nun überschattet, denn es heißt: Macht eure Muttis fein. Captain Horst ist in der Stadt! Und BÄMS, die Partywölfe räumen den Schulhof auf und sorgen für ein tanzwütiges Kollektiv vor der Bühne. Muttis zeigen ihre polierten Lackschühchen  und die Herren ihre zurecht gezupften Krawatten. Es geht heiß her, wenn die fünf ein fröhliches Zusammenkommen auf der Bühne feiern. Und zu allem Überfluss hauen die Jungs an diesem legendären Festivaltag auch noch ihr neues Album “Lass Los” auf die Theke.

Wir haben nach der Captain-Horst-Abriss-Party die Jungs zur Seite genommen: Ganz schüchtern, bescheiden und vollkommen selbstlos erzählen die Jungs bei einem kleinen Plausch im hinteren Ruheraum bei einem kühlen Bierchen ein bißchen aus dem Nähkästchen. Wortwitz und viel Liebe zur Musik durchzogen die paar Minuten mit den lieben Herren. Da war viel Gesprochenes über das neue Album, welches wir in den Händen halten durften, und zeigte uns wie leidenschaftlich die fünf Musiker an diesem Album gearbeitet haben. Das Album “Lass los” ist ganz nach dem Prinzip Low-Fi produziert worden.  Sie besorgten sich kurzer Hand ein altes Mischpult und konnten somit ihre Aufnahmen analog einspielen. Eine Hommage an die produktionsreichsten Jahre der Soundcity Studios. Somit kam die Scheibe fertig gemixt auf sage und schreibe 500 Vinylscheiben gepresst mit schickem passenden Layout. Da bleibt kein Astronauten Auge trocken. IMG_7179

Und zack Plausch hier Plausch dort stehen wir wieder vor der Bühne entzückt und bereit für Neues zu entdecken. Vor einer Woche noch beim OpenFlair und jetzt hier auf der Bühne in Kamen auf dem Schulhof der Gesamtschule: Römisch drei. Abgedrehter Name und doppelt so abgedrehte junge Herren, die auf der Bühne die Party mehr als weiter feierten. Dabei kam “Gundula” vollkommen auf ihre Kosten, das war Liebe auf den ersten Blick zwischen den reizenden Herzbuben und ihrer Gundula. Immerhin haben sie einen Song über sie geschrieben. Ein bißchen Ska, ein bißchen Reggae, ein bißchen Punk gefüllt mit ner Menge Humor, und einer Prise Realität, einen Spritzer jugendliche Naivität auf einem Bett aus verdammter Ehrlichkeit, das sind Römisch drei!

Folgerichtig ertönen nun die rotzigen Punk-Gitarren der Fun-Punk-Schranz-Rock Kombi namens “Cash for Trash” werden ihrem Namen absolut gerecht. Stimmung aufgeheizt und feucht fröhlich zermalmen die vier Herren ihre Gitarren im Wetteifer des schnellen runter rasseln drei Akkorde. Gut, der Punk gibt musikalisch per se nicht viel her. Da kann man kaum virtuose Musiker erwarten, aber ne Mords Party und ne Menge viel Spaß. Auf der Punk Welle weiter geritten präsentierCLA_7960en sich “Bluff” im Anschluss als Veteranen des Instrumententauschs: Da wird der Schlagzeuger zur Rampensau und grölt der Menge fröhlichen Punkgesang. Beide erinnern mich an NOFX aber unpolitisch oder nem miesen Abklatsch von Anti-Flag. Dennoch reißen sie die Herzen ihrer Zuschauer an sich und die Stimmung hält sich auf hohem Party-Niveau und darum geht es nun mal im Fun-Punk-Rock.

Im Dämmerlicht noch wilden Punkrock gehört und zack in der Dunkelheit ertönen Trompeten und Posaunen der unfassbar großen Kombo Namens “Awesome Scumpis”, die im übrigen auch auf dem neuen Album von Captain Horst ihr Trompetenspiel zum besten gaben, Ich dachte ja schon “Römisch drei” bringt die Bühne zum platzen, aber hier waren unzählige Musiker auf der Bühne, die einen fetten Ska-Sound durch den Hof ballerten, dass sich die Tischtennisplätze bogen. Da kamen die Kamener Headbanger vor emotionaler Explosion in eine Hochstressphase. Neben den fulminanten Trompetensolos sorgte Jay als frontale Rampensau für den Höhepunkt der Stimmung. Spätestens jetzt tanzen selbst die Mäuse a la Rude boy Manier im Takt und mündete im absoluten Ausraster-Modus in einem riesigen KonfIMG_7440ettiregen.

Sappalott, die Zeitreisekapsel hat kurzer Hand den gesamt Pulk in die 80`er Jahre transformiert. Die Punk-Legende der 80`er “abstürzende Brieftauben” sorgen für einen Höhepunkt besonderer Art. Mirko die Urgestalt aller abstürzenden Brieftäubchen steht wie vor 30 Jahren auf der Bühne als wäre die Zeit stehen geblieben und trällert die alten Songs aus voller Inbrunst in den Pulk der Gesamtschule Kamen. Olli und Mirko boten eine Show, die  irgendwas zwischen Slapstick, Comedy und edler Punk-Manier zusamIMG_7602men brauten. – Ein Zuckerschlecken für die Lachmuskeln. Da wurde die Musik irgendwann zur Nebensache, ein Kalauer, eine Anekdote folgten aufeinander, bis die Brieftauben quasi von der Bühne gekehrt wurden.

Resümiert: Punker, Metalheads, Muttis, Vatis, Kinder und viele andere Gestalten feierten zusammen beim Laut&Lästig Open Air 2016 ein riesiges Musikevent der Meisterklasse. Zack Kalender rausholen und für nächstes Jahr das Laut und Lästig Open Air, blättert bis zum 26.08.2017 vor und malt ein riesiges rotes Herz da rein.