Metal for Mercy im “Dat Links”

Eine Institution in diesen Breitengraden ist der legendäre “Metal for Mercy e.V.“. Eine Metalszene ohne die fleißigen Menschen dieses Vereins ist kaum vorstellbar. Seit 2004 treiben die beiden Gründer ihr Unwesen, um das Ruhrgebiet mit feinster Metalmukke live und in Farbe zu versorgen. Nach 6 Jahren professionalisierter Organisation unzähliger Veranstaltungen haben sich die beiden Gründer Verstärkungen geholt und einen Verein gegründet. Nicht nur Metalbands haben die Chance eine Plattform zu bekommen, sondern auch benachbarte Genres.

CLA_0200Und zack entstehen solche Veranstaltungen, wie letztens im “Dat Links” in Essen mit unseren Freunden von Schismophilia, neben gediegenen Punkrock von “Broccoli Jelly“, dem selbsternannten Progressive Metal von “Watership Down” und dem heißen alternative Rockklängen  von “X-Angel“.  Ein Wermutstropfen hatte diese Veranstaltung leider für uns. Sidney, der Schlagzeuger von “Schismophilia” hatte seinen letzten Gig mit der Band. Der Wahlhamburger geht auf zu neuen Ufern. Insofern haben die Jungs natürlich alles gegeben, um ihren Bandkollegen ein letztes Mal zu feiern. Und unter uns gesagt, der Geheimtipp unter allen Bands dieses wunderbaren Abends.

“Broccoli Jelly” klingt erst einmal nach einer interessanten neuen Geschmacksrichtung CLA_0226von
Spermint. Die vier eh drei Herren aus Bochum reißen den Applaus der Gäste auf sich mit streckenweise erklingenden Skatepunk Sound und einer tiefen Zuneigung zum Garage-Punkrock. Musikalisch kein Meisterwerk, aber eine solide und grundlegende Rotzigkeit, die einen kurzen Moment des Punkrock Daseins aufblühen lässt. Punkrock ist nun mal nicht gradlinig, und der Inbegriff von Reinheit. Die Jungs haben alles richtig gemacht.

Dem darauffolgenden Sound der Band “Watership down” obliegt ein Vermächtnis längst vergangener Zeiten: schnöder Gothic-Metal-Rock umklammert brisante Emocore Shouts! Klingt komisch, hat aber etwas davon. Nur was sie nicht haben sind progressive Elemente. Ihre Live-Performance ist unterhaltsam, aber noch lange nicht ausgereift und entspricht nicht den veröffentlichen Tracks.

“Schismophilia”, da brauche ich gar nicht lange um den heißen Brei herum reden. Watt `ne Breitseite, ordentlich Druck mit ausgereiften Gitarrenspiel und ein wunderbares “rosiges” Kelchen von Frontman Gogo dazu. Rundum virtuoser, fetter Metal-Boom-Sound, dass einem die Ohren schlackern. CLA_0465

So kurz ausgerastet und weiter im Programm mit “X-Angel”, dem female fronted Alternative Rock aus `m Ruhrpott. Ich muss sagen, die Damen und Herren boten eine berauschende Live-Performance. Fetter Gitarrensound umschmeichelt von der zart, rauchigen Stimme der Frontsängerin. Warum man nun female fronted davor setzen muss, ergibt für mich wenig Sinn.

Aber nun gut, vermutlich ein Fingerzeig der Damen, um Metal oder Rockmusik für sich zu erobern. IMG_9239Das wiederum ist vollkommen unerheblich bei der Beurteilung des Gesamtkonzepts. Rundum passt alles zusammen bei “X-Angel”, nur eines hat mich ehrlich gesagt extrem gestört. Das mit dem Covern ist ja so eine Sache, entweder man interpretiert den Song neu oder singt nach. Letzteres ist unter Umständen nicht besonders vorteilhaft, vor allem wenn man sich mit der Creme de la Creme messen möchte. Anneke van Giersbergen und damit die wunderbare Band “The Gathering” zu covern ist nahezu unmöglich, finde ich zumindest.

Kinners, dennoch war das ein gelungener Abend. Alle Bands haben trotz Kritik deutlich Potenzial nach oben. Der Support von lokalen Bands muss deutlich gesteigert werden, um den Musikschaffenden Raum für ihre Entfaltung geben zu können. Leute geht mehr zu Konzerte.