Böse auf der Bühne, gut davor und dahinter: Oli Beier`s Moshroom

Das Krefelder Metal-Benefiz-Festival

Das “Moshroom” in Krefeld geht in die 11te Runde. Dieses Jahr ist es aber anders. Ganz anders. Oli Beier, der Initiator des Festivals, ist verstorben und hinterlässt das Festival. Zum Glück aber in guten Händen – die Tradition wird in der Kulturfabrik fortgeführt. 2017 wurde das Programm auf einen Tag komprimiert. Uns erwarten ganze sieben Acts. Die Einnahmen gehen wiederholt an den Deutschen Kinderschutzbund Krefeld.

Schon am Nachmittag zeichnete es sich ab, dass diese Veranstaltung kein Reinfall werden wird – pünktlich zum Einlass bildet sich vor den Türen schon eine große Schlange. Die Bürgermeisterin ist anwesend und hält eine Ansprache. Es folgt eine ergreifende Schweigeminute zu Ehren des verstobenen Initiators und dann geht es schon zur Sache: Der Abend ist eng durchgetaktet, was bei der großen Anzahl an Bands auch zwingend notwendig erscheint. Die Umbaupausen sind mit 15 Minuten kurz und knackig geplant, trotz einiger Verzögerungen wird der Zeitplan aber erstaunlicherweise weitestgehend eingehalten.

Mit “New Damage” ist ein Krefelder Lokalmatador dabei, die aktuelle Platte “Cosmodrome” (Review im Link) im Gepäck. Die Jungs sorgen zusammen mit “Mediøkrist” für einen fetten Auftakt.

Aus dem tiefen Norden ist “Norded” (Hamburg) angereist und bringen eine frische Brise Elbluft mit. Frontmann Stefan ist allerdings kein unbekanntes Gesicht – er ist der ehemalige Shouter von “Hasteblood”, Oli Beiers ehemaliger Band. Die Songs sind zum Teil in deutsch und englisch. “Norded” heizt ordentlich ein, Stefan mischt im Pit vor der Bühne mit.

Wir versorgen uns mit kühlem Bier, werfen noch den einen oder anderen Euro in eine der Spendenboxen. Auch die Trinkgelder an der Bar werden gespendet.

Das kalte Bier kühlt die “heiße Nacht”, wie “Divine:Zero” aus Erkelenz es ganz treffend formuliert, sehr gut ab. Wir erleben eine energiegeladene Liveshow mit fettem Death-Metal und freuen und auf unsere Freunde von “Sunchair“. Insbesondere sind wir auf den Besetzungswechsel am Mikrofon gespannt – David, der ehemalige Frontman bei Sunchair,  konzentriert sich schon seit einigen Shows auf seine Band “Thamalus”, die noch später am Abend spielt. Manuel ist das neue Gesicht der Band. Ich muss gestehen, dass dieser Wechsel der Band sehr gut getan hat. Man spürt frischen neuen Wind, der sich durch die gesamte Band zieht, als hätte die Band die Freude am Spielen wieder erlangt. Mit Manuel kommt mehr Power in den Sound. Auch optisch ist viel mehr Bewegung und Action offensichtlich. Das Highlight der Setlist ist “Gluttony” – den Song performen Dave und Manuel zusammen. Hier wird deutlich, wie gut die beiden sich eigentlich ergänzen, der melodische Gesang von Dave harmoniert perfekt mit den Shouts von Manuel. Ich hätte mir noch ein paar Songs von den beiden zusammen gewünscht, leider bleibt es bei dem kurzen Gastauftritt. “Sunchair” beendet das Set mit den beiden Songs, deren Videos von uns gedreht und teilweise produziert wurden – “War” und “The Purge“.

 

Dave können wir kurze Zeit später mit “Thalamus” bewundern. Auch hier muss ich sagen, dass seine Stimme zu dieser Art von Musik einfach besser passt, als es bei “Sunchair” der Fall war. Es macht den Eindruck, dass er erst mit der Gitarre in der Hand wirklich “vollständig” ist. Besonders überzeugen die melodischen Parts bei “Thalamus”, aber es gibt auch was auf den Deckel. Ich bewundere Andreas am fretless Bass, wie er damit durch die Gegend fliegt und trotzdem absolut sauber spielen kann. Die Show von “Thalamus” wirkt insgesamt sehr harmonisch und stimmig. Es gibt keine Pausen oder Stille zwischen den Songs, alles greift hervorragend ineinander über.

Die Enttäuschung des Abends erleben wir leider mit dem Headliner “Vitja“. Vielleicht waren die Erwartungen einfach zu hoch – immerhin tourt die Band mit “Emil Bulls” und ist bei “Century Media” unter Vertrag. Es zeigt sich aber wie so oft: die Sympathie zu einer Band steht und fällt mit dem Sänger. In diesem Fall musste ich bei der “wir sind gegen Homophobie und AFD”-Ansage endgültig abwinken. Hört sich doch schon irgendwie auswendig gelernt und ausgelutscht an. Die Message ist natürlich wichtig, aber ich gehe auf Konzerte nicht um mich noch weiter politisch berieseln zu lassen. Natürlich sind wir mit David`s Message absolut d’accord – nur bitte nicht auf Konzerten. Richtige Stimmung kommt nur bei den “erste Reihe – Mädels” auf, die Sänger David anschmachten und sich von ihm ansingen lassen. Auf mich wirkt die Show, die künstlichen politischen Aufrufe und die Nachfrage, wo denn die Stagediver bleiben (wir haben bis zum Schluss keine gesehen) insgesamt sehr unbeholfen. Vielleicht entspreche ich auch einfach nicht der Zielgruppe. Ach ja Musik wurde da auch gespielt. Als nach dem ersten Song endlich der Beckenständer getauscht war, was eine gefühlt 5 minütige Pause zur Folge hatte (mit nur einem Becken kann man scheinbar nicht spielen), ging es auch weiter. Die Songs klangen recht ähnlich, der Sound war an diesem Abend mit der “breiigste”. Vielleicht haben aber auch einfach die teueren Kemper-Amps nicht mit der PA harmoniert… Ich nehme für mich mit, dass viele Tattoos und coole Shirts noch lange kein Garant für gute Musik sind.

Trotzdem oder gerade wegen dem Headliner, war es ein sehr erfolgreicher und geiler Tag. Die KuFa war tatsächlich ausverkauft, alle 300 Karten fanden einen Abnehmer. Die lokalen und überregionalen Bands haben fett abgeliefert. Der Kinderschutzbund in Krefeld kann sich auf eine schöne Spende freuen. Und der Hauptact – ja, er war halt da. Die Veranstaltung wäre auch ohne “Vitja” zu einem Erfolg geworden und so freuen wir uns auf eine Fortsetzung in 2018!