Fotogalerie: Pogo in den Mai

Wenn man Kamen hört, weiß man nicht viel damit zu assoziieren. Kamen halt, irgendwo hinter oder bei Dortmund. Aber es ist durchaus eine Reise wert. Ein paar Kilometer Autofahrt und zack angekommen im Kleinod. Leichte Dorfmanie mit brodelnder alternativer Szene. So könnte man Kamen kurz zusammen fassen. Man könnte denken, Tanz in den Mai in ländlicher Gegend hat eher den Charme von alten Kaschemmen mit kuriosem Musikprogramm a la Helene Fischer.

DSC_0673_klAber nein. Der Schein trügt. In Kamen gibt es nämlich einige Menschen die sich der Kultur in Kamen angenommen haben. Träger der Mission ist der Verein Jugendkulturcafe. Eine kleine Szene, die sich dem musischen Kulturgut versprochen hat. So lud das JKC an diesem Abend zur Gegenveranstaltung des Tanz in den Mai mit dem kecken frechen Titel “Pogo in den Mai” ein.

Ehrlich gesagt dachten wir, so voruteilsbehaftet der Mensch nun mal ist, das wird ‘ne üble Chaos Punkveranstaltung mit der Dorfjugend. Ganz im Gegenteil. Ein sehr entspanntes beisammen Stehen um lokale Rockbands auf der Bühne beim in den Mai Tanzen zusehen. Für schlappe 5 Euro (Inkl. 1 Euro Spendenanteil) konnte man sich genüsslich bei einem leckeren Kronen Bier dieses wunderbare abwechslungsreiche Lineup ansehen.

Headliner sind fünf adrette Herren, die die Kombo “Lee Jay Cop” bilden, dann waren da noch die bezaubernden Jungs von “Captain Horst”, sowie “Westwerker” und “Comob”. Das schönste ist ja immer man kommt irgendwo hin, hat so gar keine Erwartung, und entdeckt dann einen berauschenden Geheimtipp. So ging es uns am letzten Samstag bei “Pogo in den Mai”. Wir haben ordentlich gepogt und natürlich die ganze Meute auf und vor der Bühne.

Sagen wir es mal so, es fing ganz harmlos an und wuchs mit den wunderbaren Musikern zu einem runden Programm an. Den Auftakt machten die Dortmunder Garagerocker von “Comob”. Eine Blockflöte, eine junge bezaubernde Leadstimme und harten Gitarrenriffs erzeugten einen runden Sound.

DSC_0709_klEin oder zwei Bier später erwachte das JKC zum kleinen Deutschrockwunder. Mit “Captain Horst” auf der Bühne kann kein Auge mehr trocken bleiben. Ein Wechselbad der Gefühle, ernsthaftes und wahnsinniger Wortwitz wurde zum musikalischen Ohrwurmstürmer. Die Captains machen sowas wie Indie-Pop-Punk `n Roll. Mal laut mal leise, ein rundum fetter und runder Sound. Neben der glanzvollen Bühnenpräsenz hauten die vier Herren ordentlich in die Tasten, Saiten und Trommeln. Eine wunderbare Live-Entdeckung. Wir waren jedenfalls extrem erquickt über diese wunderbare Präsenz.

Und was dann folgte, beschnitt das bisher Dargebotene. Tiefster progressiver Slow-Punk ertönte da auf einmal. In Begleitung eines Akkordeons führte uns die rauchige, trotzige Leadstimme durch den Abend, naja und den üblichen Verdächtigen Gitarre, Bass und Schlagzeug. Bemerkenswert waren die durchaus progressiven verzerrten Gitarrensoli. Westwerker präsentierten mit glanzvoller Soundmaschine ihr aktuelles Album “Pilsettenfieber”. Berauschende Texte gefüllt mit zynischer, melancholischer anmutenden Stimmlage. Das ist keine leichte Kost. Der Zuschauer wird herausgefordert und nicht enttäuscht.

Naja und nun, die Oldenburger Headliner Band namens “Lee Jay Cop” reißt die Stimmung noch einmal um. Da stehen plötzlich vier junge Herren und reißen DSC_0981_kl
einen vom Leder. Der Head der Band Christopher Been Jr. erklingt im typischen Indie-pop-rock Sound. Eine junge äußerst kreative Band mit bombastischen Schlagzeugspiel und Gitarrenspiel in Kooperation mit der durchaus “Bjorn Dixgard” (Mando Diao) – klingenden Leadstimme erzeugt ein rundes Indie-Rock Ensemble. Nicht nur musikalisch sehr stark auch textlich bieten die Jungs unglaublich viel Tiefe und Herzlichkeit. Was auch echt kein Wunder ist. Die Fünf haben mehr als 90 Demos aufgenommen,  zwei Alben produziert und unzählige Shows gespielt u.a. als Vorband von “Tomte”. Das neue Album “irgendwas is immer” steht für euch in den Plattenregalen bereit. Reinhören und erfreuen.

Dieser Abend bot uns: abwechslungsreiches, überraschendes, neues und viele wunderbare Momente. Was will man mehr. Unsere neue heiße Adresse ist das Kamener JKC. Schaut mal rein, es lohnt sich. Wirklich. Der charmante Gastgeber Ferit Atlas freut sich auf Euch.

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