Rise Up Tour – Silverstein and Special Guests

CLA_2233Die kanadischen Herzbuben des Metalctore beehrten uns so ganz und in Lebensgröße in der Livemusic Hall in der Millionenstadt Köln. Auch wenn Kölsch nicht jedermanns Sache ist, fanden sich doch einige Liebhaber gediegener metalcore Klänge zusammen und feierten dieses fette Line – Up. Und ich muss sagen, hochachtungsvoll, eines der besten organisierten Konzerte ever: Gästeliste check, Time-Line check, Fotopass check! Ohne Probleme und Chaos konnten wir unseren Job erledigen. Das findet bei 90 % der Konzerte eher seltener statt.

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Nun gut, angekommen, Kamera gezückt und los ins Vergnügen! Musikalisch heizten als erstes die wundervollen “Like Moths to Flames” aus Ohio das Publikum ordentlich ein. Der Sound ist meines Erachtens gewöhnungsbedürftig: Das dumpfe Gitarrenspiel wird durch Rhythmenwechsel nahezu gestört, Harmonien erklingen hier und da, mal im Refrain, mal in der Bridge oder wann auch immer. Die Tracks zeugen nicht gerade von Gradlinigkeit. Der Sound klingt leicht ausufernd, meistens sind anfangs dunkle Shoutings dominant gepaart mit einem schweren Metalriff, und gewinnt in der Mitte etwa plötzlich an Geschwindigkeit und irgendwo dazwischen brechen Rhythmen an einem plötzlich auftauchenden klaren Gesang. Es wirkt als würde sich die recht junge Band (gegründet im Jahre 2010) noch nicht gefunden haben. So war zumindest mein erster Eindruck. Genau so schnell und brachial wie sie auf die Bühne kamen, gefühlt zumindest,  umso schneller waren sie wieder weg. Aber wer hätte das gedacht, dass sich von Band zu Band die Halle füllt und ebenso die musikalische Vollkommenheit.

Von den Flammen zum Feuer erklingen die zarten Hau drauf Beats von  “Memphis May Fire” . Noch ne IMG_9927Schippe drauf und die Meute vergeht sich an Circle Pits. Kein Wunder, der Sound ist fett und brachial und die perfekte Mischung aus Shoutings und Gesang. – Alles zusammen harmoniert zumindest in meinem Ohr bestens miteinander. Ein klarer Schlagabtausch zwischen Doublebase und melodischen Parts, haben mich vollends überzeugt. Alex hat sich mal wieder schockverliebt in diesen Sound und beschallt das Wohnzimmer mit feinsten “Memphis May Fire” Songs, Tag und Nacht.

Spätestens bei der nächsten Band wird klar was massentauglicher Metalcore ist. Das Gekreische aus den ersten Reihen beweist diesen Umstand allemal, als die Band “The Devil Wears Prada” auf dIMG_0036ie Bühne tappst. Die Schlüppies fielen reihenweise auf die Bühne, naja ne. Wir sind ja nicht bei den Backstreet Boys. Dennoch beachtlich wie sich dieses fette Line-Up eine riesige Fangemeinde klar gemacht hat. Mit neuem Album im Schlepptau “Transit Blues”, das sich mehr als sehen lassen kann.  Ein fettes, drückendes, schnelles Gitarrenspiel und wuchtige Metalriffs geben dem Sound noch mehr Tiefe und Circle-Pit-trächtige Rhythmen einem so ums Ohr hauen. Hier kommen immer mehr Samples zum Vorschein, die den Sound leicht aufklaren und typischerweise für den Posthardcore sind. Alles zusammen bildet der Sound von TDWP ein brachiales, kontrastreiches, gediegen chaotisches Klangmuster aus Metalcore und Posthardcore Elementen.

Das Konzert endet im absoluten Delirium mit “Silverstein“, die mit neuer wundervollen Single im Gepäck namens “Ghost” ein kleines aber feines Geschenk mitbrachten. Der Song ist definitiv unter den ersten Fünf meiner 2016 Best-Of. Spätestens jetzt sind alle Schlüpfer auf die Bühne geflogen. Die Backstreeet Boys unter den Metalcore Bands dieses Abends ertönen und schießen den Vogel ab. Ich persönlich war vollends begeistert. Der Wechselgesang zwischen Shouts und Gesang erinnert mich leicht an die frühen “Taking Back Sunday“. Endlich traut sich auch die Klofrau zum Stage Diving. Der Laden ist rammelvoll und platzt vor Spaß und guter Laune!

Kurzum von harten ungeschliffenen Tönen bis zum Skatepunk angehauchten zarten Gesang war alles dabei. So kamen die harten und die weichen Gemüter vollends auf ihre Kosten. Ich vergebe das Prädikat Sehenswert!!