Tag 1: Rock am Bahnwerk 2016 – Gelsenkirchen

Feinste deutsch Rock Bands aus dem Ruhrpott in familiärer Atmosphäre.

Oh mein Gott Gelsenkirchen! Unser Ziel ein Festival, vermutlich ein Geheimtipp, wir waren etwas unsicher was uns dort erwarten würde. Nicht lange fackelten wir und machten uns auf in das verschriene Gelsenkirchen. Ich muss sagen, ich habe noch nie jemanden kennen gelernt, der Gelsenkirchen etwas abverlangen konnte. Aus diesem Grund waren wir leicht zögerlich den Ruhrpott dorthin zu durchqueren. Aber mit dem Gedanken im Hinterkopf was wir in Kamen alles tolles erleben und hören durften, wollten wir wieder unser Glück herausfordern. Und so landeten wir in dem verruchten Städtchen, bei dem man eher an geflieste Couchtische, riesige Wohnzimmerwandschränke, gehäkelte weiße Untersetzer und Kunstblumen, denken muss.IMG_1865

Bahnschienen-Lokomotiv-Fabrikhallen Romantik und hinten der sonnige Horizont, durchdrungen von peitschenden Gitarren und metallischen Schlagzeugsolos, zeugt von einem ungewöhnlichen Ort für ein solides Rockfest.

Nachdem die Technohölle kurze Zeit an diesem magischen Ort regierte holte sich Frank sein Mekka für lokale Rockmusik zurück. Seit 2013 veranstaltet der Verein “Blauweisser Partywaggon” ( Fanclub FC Schalke) dieses wunderbare zwei Tage Festival. Wer lokale Rockbands entdecken möchte, lässt sich das jährliche “Rock am Bahnwerk” Fest nicht entgehen. Denn hier findet ihr absolute Newcomer und alte Hasen aus und um den Ruhrpott. Mehr als 500 Musikbegeisterte pilgern in diesen zwei Tagen zu diesem absoluten Geheimtipp. Beeindruckt hat uns vor allem, die wirklich professionelle Organisation und das familiäre Willkommen heißen der Veranstalter. Die Jungs des Vereins hauen wie jedes Jahr in die absoluten Vollen und geben wunderbaren lokalen Bands eine Plattform, die es so eher selten gibt.

CLA_4227Neben diesem prachvollen weitblickenden Gelände an einem stillgelegten Bahnwerk irgendwo in Gelsenkirchen, kitzelt die Sonne Haut und Gemüt. Aus einer Fabrikhalle ertönen Gitarren und eine reibeisen Stimme a la “Leeve Break” – Frontman Philipp Eckei aus Hattingen. Die vier beschallen als erstes diesen lauen Sommerabend mit feinstem progressive Bluesrock. Blutjung erscheinen die vier, aber musikalisch hauen die Hattinger einiges vom Leder. Ein besserer Einstieg in diesen wunderbaren Abend konnte es kaum geben. Mit viel Blues und Jazz im Rucksack erzeugen die vier einen richtig soliden progressive Sound.

Anmutend erscheint im folgenden Set der Coverband “Timeless Rock Music” der Sonnenuntergang: wilder Westen – Gelsenkirchen. Nun Cover Bands sind immer so eine verzwickte Sache. Ich persönlich finde als Stimmungsmacher kommt die Meute eigentlich immer ins Rollen. Das Publikum integriert sich grölend in die performative Textarbeit. Ob man will oder nicht, jeder schnalst, keucht oder flütsert oder wie auch immer die bekannten Zeilen jener Bands mit, die allgemein Bekannt sind. Einmal auf die Welle aufgesprungen unIMG_2000d zack ist man im Irrgarten verhunzter Evergreens, da bekommt das “Zeitlos” im Bandnamen eine ganz andere Dimension. Nun denn, die neun Gelsenkirchener bringen die Halle zum beben. Mit Songs von “Pink” bis “ACDC” bringen die Herren und Damen die Menge zum ausrasten.

Sapalot was für ein Marathon, nach dem schnabulieren zweier Bierchen, hier und da ein Pläuschchen halten und Sonnen baden ging es dann in die dritte Runde mit “Why Amnesia”. What the Fuck!- Spätestens jetzt sind die Herren der Schöpfung, wer noch auf zwei Beinen sich irgendwie aufrecht hielt, im Hochblutdruck Modus. Einige Herzchen pochten gewaltig als Frontdame Shirley Golightly die Bühne betritt und ihr in Whiskey getränktes Zucker-Röhren Stimmchen die Ohren der hier Anwesenden betört. Mit Temperament und Rock-Röhren Attitüde erklingen beste Pop-Classic-Rockklänge, die einen soliden Rocksound für Jedermann bietet. Somit ist für alle unterschiedlichen Rock-Öhrchen was dabei, mal ruhigere Melancholie, mal lauter metallischer Rocksound und mal nachdenklichere Passagen.  IMG_2233

Und zu guter Letzt erweisen uns die Herren von “The Desert Company” die Ehre. Feinster Hard-Rock aus Bochum mit zwei wirklich großartigen virtuosen Gitarristen Frank und Jörg.  Ich liebe es ja, wenn zwei begnadete Gitarristen ein Wechselspiel auf der Bühne raushauen, dass der Hund in der Pfanne verrückt wird. Zum Abschluss des Abends hauen die Bochumer noch mal so richtig auf die Kacke. Das Quintett bietet einiges an musikalischen Know-How: Ein runder gediegener Hard-Rock Sound mit eingebauten Gitarrensolos a la Jimmy Page. Und so beenden die Bochumer mit Pauken und Trompeten einen wunderbaren Abend voller musikalischer HöhepCLA_5536unkte. Mit tausenden Fotos im Kasten und `ner Menge Eindrücke und wunderbaren Momenten im Kopf geht es ab nach Hause. Wir haben mega viel Spaß gehabt und freuen uns, dass wir wieder einmal einen Geheimtipp entdecken konnten. Wir konnten leider am zweiten Festtag nicht dabei sein, wir lassen uns derweil die Sonne Irlands auf den Bauch scheinen. Aber das nächste “Rock am Bahnwerk 2017” werden wir sicherlich nicht verpassen und sind gespannt was uns an neuen Ruhrpott Perlen geboten wird.

Unser Fazit: Keine Erwartungen zu haben führt immer dazu ein offenes Ohr für Neues zu haben.