We Stood Like Kings – Filmmusik Neuvertonung

Album Release: 22.September “USA 1982”, Kapitän Platte.

Wer feine, seichte Post-Rock Töne in Verbindung mit Filmkunst hören und sehen möchte, der ist genau richtig bei “We stood like Kings”. Als großer Filmfan kann ich diese Kombination von exakter dramaturgischer Inszenierung von Film und Musik nur empfehlen. – Wenn das Ganze auch noch Live erlebbar wird entsteht ein außergewöhnliches Gesamtkunstwerk.

Der Film “Koyaanisqatsi” (der 1982 in die Kinos kam) ist eine Aneinanderreihung von Zeitlupen, Slow-Motions und Zeitraffer Bildsequenzen, welche Landschaften und Städte in den USA zeigen. Der Film ist frei von Handlungen und Dialogen. Er zeigt mit den Bildsequenzen in Verbindung mit der, eigens komponierten Musik von Philip Grass, den Eingriff des Menschen in die Natur und dessen Auswirkungen. Der Film gilt als zivilisationskritisch und übt Kritik an der menschlichen Lebensweise aus. “Koyaanisqatsi” ist vermutlich der Höhepunkt der, in den 1980`er Jahren immer lauter werdenden, Zivilisationskritik. Der Regisseur Godfrey Reggio wählte für den Filmtitel bewusst ein Wort, welches keiner Schriftsprache entstammt, sondern der mündlichen Sprache eines Indianerstamms namens Hopi. “Koyaanisqatsi” kann frei übersetzt werden als “Leben im Ungleichgewicht” und ist der erste Teil der Qatsi Trilogie des Regisseurs.

“Chopin meets Pink Floyd meets Explosions In The Sky”

Mit Hintergrund dieses Films komponierten die vier Belgier ihr neues Album “USA 1982”. Die insgesamt 11 Titel entstanden als neuer Soundtrack für den Film “Koyaanisqatsi”. Wir durften ihre Live-Performance der beeindruckenden Filmmusik beim diesjährigen “Platzhirsch Festival” in Duisburg vom 01.09-03.09.2017 bewundern und waren zutiefst beeindruckt von der Außergewöhnlichkeit von Musik und Film.

Charakteristisch für das Post-Rock Spiel ist der ständige Wechsel zwischen lautem und leisen Sound. Charakteristisch für “We stood like Kings” ist die Virtuosität dieses Charakteristikums, welches sich besonders durch musikalische Überraschungsmomente auszeichnet. So trägt einen die Melancholie der Melodie augenscheinlich unendlich durch die Weiten des Piano Spiels bis, vollkommen unerwartet, die Wendung kommt: dumpfe, harte Gitarrenriffs übernehmen das Zepter. Im Hintergrund glüht immer noch das chopiniastische Klavierspiel bis dann, im Höhepunkt, die schnellen, knallenden Schlagzeugsoli an die Dramatik der Thematik erinnern. Im Hintergrund der Film. Aus dem Nichts taucht der Flugriese am Horizont auf. Es wirkt bedrohlich und gleichzeitig doch so vertraut und gewöhnlich. Diese Nahaufnahme eines Flugzeugs, das jeden Tag die weite Welt bereist mit Hunderten von Menschen. – Und dann diese Herzschlagbeeinflussende Melodie, die einen fast zum weinen bringt, weil einem in diesem Moment klar wird, das wir den Blick für das Ganze vollends verloren haben.

Die Musik steht im Einklang mit der Message des Films: Es wirkt wie eine Verbrüderung der Dramatik der Schnelllebigkeit und des augenscheinlich unverhinderbaren Technologiewahnsinns in Allianz mit der Trauer über die tiefe Schuld des Menschseins, die getragen wird vom sphärischen, melancholischen, dramatischen lauten und leisen Spiel dieser ungewöhnlichen Post-Rock Band Namens “We stood like Kings”.

Der original Soundtrack von Philip Glass ist ein ganz anderer Sound: minimalistisch, schrill und düster! Umso schöner ist es zu hören, dass die Band ihre eigene Interpretation in Perfektion geschaffen hat. Hierzu sagte Judith, die Pianistin des Quartetts, einmal in einem Interview mit dem “will not fade” Magazin: “The only way to make it really personal is to put all your soul in it. Trying to create something to really resonates within you. Therefore you have to find what’s yours and not someone else’s and use it as your strength.”  Ein Jahr haben sie sehr intensiv an diesem Album gearbeitet und den ein oder anderen Song mehrmals überdacht und Versionen über Versionen komponiert. Am Ende kamen 11 Songs heraus für einen beeindruckenden Film, der einen zum Nachdenken bringt, zum Resümieren veranlasst und am Ende das eigene Weltbild zum Wanken bringt. Das Album ist keineswegs als klassisches 11-Songs-Album zu verstehen. Möchte man tief in diesen Sound eintauchen,  sollte man sich entweder die Band einmal live anschauen oder sich zumindest den Film besorgen.

Tourdaten findet ihr auf der offiziellen Webseite der Band: We stood like Kings