VUUR – “In This Moment We Are Free – Cities”

“In This Moment We Are Free – Cities” ist das Debutalbum von Anneke van Giersbergen und Ihrer neuen Band “VUUR”. Lange hat es gedauert, aber Sie hat (endlich) zu Ihren Metal-Wurzeln zurückgefunden. Ihre Mitstreiter sind ebenfalls keine Unbekannten und haben zum Teil bereits bei dem Projekt “The Gentle Storm” mitgewirkt.

Das Gleiche gilt für den Produzenten Joost van den Broek, der unter anderem mit Esa Holopainen (Amorphis), Mark Holcomb (Periphery) und Daniel Cardoso (Anathema) an den Songs mitgeschrieben hat. Dementsprechend ausgereift präsentiert sich das Erstlingswerk der Niederländer. So viel sei erwähnt, wer jetzt ein neues “The Gathering” Album erwartet, der sollte schleunigst seine Erwartungshaltung überarbeiten.

Den Tracks wurde ein looses Konzept mit Städtenamen verpasst. Bei Ihren Texten ließ sich Anneke von den vielen bereisten Orten auf der Welt und deren Stimmungen inspirieren. So sollen die Songs diese auch entsprechend wiederspiegeln.

Ob dies gelingt, muss jeder für sich persönlich entscheiden. Der Opener “My Champion – Berlin” (7:36) zeigt schon deutlich, welche Richtung diese Scheibe musikalisch einschlagen wird. Wuchtig und verspielt geht es zur Sache. So verwundert es auch nicht, dass man sich in diese Platte erst mal “reinhören” muss.
So fehlte mir beim ersten Durchhören auch ein Song mit dem “den muss ich mir sofort noch mal anhören” Erlebnis. Es stellt sich bei so langen Songs die Frage, ob man sich nicht hätte kürzer fassen können? So manche Passagen wirken anfangs stellenweise unnötig langatmig.

Eine Liebe auf das erste Lauschen war es nicht. Das Werk fühlt sich insgesamt ein wenig sperrig und gleichförmig an. Nach mehrmaligem Durchhören setzt sich das Puzzle letztendlich dann doch zusammen. Dabei wird hauptsächlich auf die gute alte Handwerkskunst am Schlagzeug und den Saiteninstrumenten gesetzt. Die Streicher und Synthesizer werden auf dem ganzen Album löblicherweise sehr dezent eingesetzt. Dies schafft dann auch den Raum für die einzigartige und kraftvolle Stimme. Die Gesangsleistung ist über jeden Zweifel erhaben und passt sehr gut zu dem Gerüst aus harten Riffs. Wer sich ausgiebig an Annekes Vocals satt hören möchte, der darf dieses Album definitiv nicht auslassen. Der Sound insgesamt ist differenziert, druckvoll und homogen.

Meine persönlichen Favoriten:
My Champion – Berlin, The Martyr And The Saint – Beirut, Days Go By – London, Sail Away – Santiago, Save Me – Istanbul.

Fazit:
Unter dem Strich ist ein empfehlens- und hörenswertes Album mit Raum für Verbesserungen herausgekommen. Um es abgedroschen auszudrücken: Um ein Inferno zu entfachen, müssten VUUR (niederländisch für Feuer) noch ein paar Schippchen drauflegen. Für den Nachfolger würde ich mir mehr Mut zum Kontrast wünschen. Beim Sound und bei den Kompositionen. Vielleicht habe ich aber auch nur zu viel “The Gathering” gehört. 🙂

Score: 7.5/10

Tracklist:
1 My Champion – Berlin 07:36
2 Time – Rotterdam 06:40
3 The Martyr And The Saint – Beirut 05:35
4 The Fire – San Francisco 04:47
5 Freedom – Rio 06:06
6 Days Go By – London 06:30
7 Sail Away – Santiago 06:00
8 Valley Of Diamonds – Mexico City 06:25
9 Your Glorious Light Will Shine – Helsinki 05:32
10 Save Me – Istanbul 05:05
11 Reunite! – Paris 04:39

Line-Up:
Anneke van Giersbergen – vocals
Ed Warby – drums
Jord Otto – guitars
Ferry Duijsens – guitars
Johan van Stratum – bass

*Titelbild: Set Vexy, *Artikel: Darius Ditsjawitschus