AnnenMayKantereit und Freunde – kleines Festival, großes Finale

2011 starteten sie mit Straßenmusik, 2013 veröffentlichte die Kölner Deutsch-Rockband ihr erstes eigenes Stück und dieses Jahr veranstalteten sie ihre eigenen kleinen AnnenMayKantereit & Freunde-Festivals mit einem großen Finale in ihrer Heimatstadt Köln. Die Band, gegründet aus Henning May, Christopher Annen und Severin Kantereit, besteht inzwischen aus 4 1⁄2 Mitgliedern (später hinzugekommen sind Malte Huck und der ständige Gasttrompeter Ferdinand Schwarz) und einer 50-köpfigen Tourneegruppe.

Insgesamt 5 Termine der Freunde-Konzerte gab es 2019, in der Regel 2 Bands plus Hauptact, wobei die Vorbands eher noch kleine internationale Bands sind, unter anderem die Leoniden und die Parcels. Beim Hauptact kommen bei jedem Konzert noch verschiedene Künstler hinzu, die im Laufe der Jahre
Featurings mit der ganzen Band oder auch nur dem Sänger Henning May aufgenommen haben. Dies waren bei den vorherigen Terminen zum Beispiel Milky Chance, Juju oder K.I.Z..

Am Samstag, den 14. September ist es also endlich soweit, das große Finale am Fühlinger See steht an. Eine Stunde vor Einlass füllt sich das Gelände langsam, die Sonne scheint, die Flächen für die Besucher sind gut abgegrenzt. Alles in allem gute Voraussetzungen für einen gelungenen Festivalsommer-Abschluss.

Los geht es um 16 Uhr mit Alli Neumann. Die Schauspielerin und Sängerin hat ebenfalls kürzlich ein
Featuring mit Trettmann und Kitschkrieg veröffentlicht und gibt 45 Minuten lang ihre einzigartige
Stimme zum besten. Mit dem Titelsong ihres neuen Album „Monster“ performt sie einen ihrer
bekanntesten Hits, kann das Publikum aber sogar mit einem Schlager-Cover („He, wir fahr‘n mit dem
Zug“ von Veronika Fischer) begeistern.
Als zweite Band stehen die – ebenfalls Kölner Jungs – Giant Rooks auf der Bühne. Sie waren in diesem
Jahr bereits als Support mit AMK unterwegs und haben die besten Songs ihrer neuen EP „Wild Stare“
nun mit unglaublich viel Energie und Freude bei deren finalem Konzert zum Besten gegeben. Auch Titel
ihrer ersten EP, sowie ein „gerade letzte Woche im Proberaum entstanden[er]“ Song durften hier nicht
fehlen.
Langsam füllt sich das Gelände, während die belgische Indie-Rock-Band Balthazar nochmals eine andere
musikalische Richtung einschlägt. Nicht nur Keyboard, Schlagzeug, Gitarre und Bass sind hier vertreten,
sondern auch die Violine und Posaune verleihen dem ganzen etwas besonderes.
Auch der Sänger Faber hat in seiner Band Posaune, Cello, Keyboard und – statt des klassischen
Schlagzeugs – afrikanische Trommeln vertreten. Der Schweizer singt auf Deutsch über
gesellschaftskritische Themen, wie beispielsweise in seinem kürzlich erschienenen Titel „Generation
YouPorn“ oder bei „In Paris brennen Autos“. Man kann seinen Weltschmerz förmlich spüren, den er
versucht in Worte zu packen.
Wer übrigens mit offenen Augen über das Gelände gelaufen ist, konnte nicht nur die Mitglieder der Giant
Rooks antreffen, sondern auch die Newcomerin Amilli, sowie Kraftklub-Mitglied Felix Kummer, der bei
einem der vorherigen AnnenMayKantereit und Freunde-Shows auf der Bühne stand.
Nun die letzte Pause, lange Schlangen vor den Getränkeständen und an den Einlässen zu den
verschiedenen Bereichen kaum mehr ein Durchkommen.

Der finale Act geht los. Die Gastgeber eröffnen ihre Show mit dem Song „Marie, Marie“ und geben
einige Songs ihres aktuellen Albums zum besten. Gespickt wird die Show mit gemeinsamen Songs mit
anderen Künstlern. Amilli darf mit Henning May das kürzlich veröffentlichte Cover „Bang, Bang“
(Original von Nancy Sinatra) performen, bevor die Kölner Jungs auf ein gelungenes Festivalende
anstoßen. Weiter geht es mit Sänger Frederik Rabe, der ebenfalls kürzlich zusammen mit seiner Band
Giant Rooks und AnnenMayKantereit das Cover zu „Tom‘s Diner“ (Original von Suzanne Vega)
aufgenommen hat. Spätestens jetzt ist die Menge am Ausflippen, die Stimmen der beiden Sänger sind
einfach nicht zu übertreffen. „Jetzt ist es aber wieder Zeit für traurige Musik“, verkündet May und die
Band greift auf melancholische Klassiker wie „Oft gefragt“ und „21, 22, 23“ zurück, performt allerdings
auch ein komplett neues Stück, in dem sie vom Heimweh nach ihrer Stadt Köln singen.
Um für die Zugabe gerüstet zu sein, kommt das Publikum mit „Ich geh heut nicht mehr tanzen“ nochmals
in beste Stimmung. Trompeter Ferdinand begleitet auch hier und wird ordentlich für seine Soli gefeiert.
Als erste Zugabe kommt Faber für einen gemeinsamen Auftritt auf die Bühne und singt zusammen mit
Henning, Severin, Malte und Christopher Hannes Waders „Heute hier morgen dort“.
Es wird dunkel auf der Bühne und AnnenMayKantereit befindet sich zwei Minuten später auf dem Dach
der Lichttechnik, um ihr bisher unveröffentlichtes Stück „Wenn du nicht mehr weißt wo du hin willst,
komm zu mir“ zu spielen.

Am letzten Stück des Abends jedoch erkennt man die langjährigen Fans. Auf die Bühne kommt Peter
Brings, der 2007 eine Version von Zarah Leanders „Nur nicht aus Liebe weinen“ veröffentlicht und es
somit als Karnevalsong bekannt gemacht hat. 2014 hat AnnenMayKantereit (damals noch in anderer
Zusammensetzung) noch Straßenmusik gemacht und ebenfalls eine Version während des Kölner
Karnevals aufgenommen. Nun, über 5 Jahre später performen sie es nun gemeinsam vor 18.000
Menschen am Fühlinger See. Ein letztes Mal an diesem Abend die unglaubliche tiefe Stimme Henning
Mays hören, die Fans singen lauthals mit, und schon ist das kleine großartige Festival schon wieder dabei.
Wir freuen uns auf das nächste Jahr!