Laut und lästig 2018

Da mein Chef sich zur Zeit im mehr oder weniger verdienten Urlaub befindet, passierte es, dass ich recht spontan dazu aufgefordert wurde über das Event, auf dem ich mich gerade privat befand, berichten sollte.

Es ist Samstag der 25.08.2018 und ich erst etwas erschrocken, da ich nicht wirklich vorbereitet war und eventuell auch nicht mehr ganz fahrtauglich. Im Nachhinein ist es sogar gut, dass ich nicht wusste das ich berichten soll. Denn so kann ich euch die Stimmung die ich bis dahin aufgesogen habe und erlebte, viel besser unvoreingenommen übermitteln. Auf mittlerweile zwei Bühnen ( einer kleineren Akustikbühne) und der Hauptbühne präsentierte sich am Wochenende ein Potpourri an grossartigen Musiker und Musikerinnen jeglichen Genres und Alters.

Als um 14:40 Uhr pünktlich mit Einbruch des Regens, die stadtbekannte Band “das Quadrat” das Event auf der kleineren Bühne eröffnet, hätte man meinen können es täte der Stimmung einen Abbruch das es nass und kalt geworden ist und sich erst wenige Menschen vor der Bühne tummelten. Im Gegenteil und genau das ist das was diesen Verein “laut und lästig”, der vor 29 Jahren von Frank Hilgenfeld ins Leben gerufen wurde ausmacht. Alle Musiker spielen mit Freude als wäre man bei 30 Grad und gefülltem Olympiastadion. Man nimmt es mit Humor. Schnappt sich Backstage ein Bier, herzt Frau und Kinder oder lässt es sich beim unfassbar vielfältigen Catering in den Katakomben der Gesamtschule Kamen gut gehen. Denn das wird man in den nächsten Stunden nicht erleben. Schlechte Stimmung. Schon gar nicht wegen ein paar Regenschauern. Alle hier anwesenden, ob Musiker, Security oder die zahlreichenden freiwilligen Helfer wissen “Regen hört sich mit geschlossenen Augen auch nur an wie Applaus”. Den gab es dann auch im Laufe des Tages aus immer mehr werdenden Händen vor der Bühne. Wenn Bands wie “Serie2” oder “Wodgar Allace” auf der Bühne Gitarrenlastig, rockig den Sonnenschein herbei sangen und das Publikum brav aufforderte das Geld in Bier und Merch zu investieren, denn nur so finanziert sich “die kleine Schwester aller Festivals”. Ich war auf vielen großen Festivals dieses Jahr. Sei es “Rock am Ring” oder “Hurricane”, es fiel nicht nur mir auf. Dieser Unterschied zu all den großen. Da hört man dem Schlagzeuger des Headliners “Liedfett” aus Hamburg doch gerne zu wenn es am Grill heißt “Hurricane ist schon geil, aber hier merkt man es geht nicht ums Geld. Hier geht’s um Bock auf Musik”. Auch wenn die Stimme auf der Akustikbühne der Sängerin und Mitorganisatorin “Anni Hilation’s Arms” derweil singt “dont come closer”, möchte man in die Welt rufen. DOCH. Kommt alle näher. Kommt hierhin. Kommt ganz nah.

Nach zart kommt hart und “Sleeping God” wecken wohl auch den letzten müden Besucher mit “Shouts” die (ich habe es live erlebt) Frauen betören und dahinschmelzen lassen. Der Regen weicht einer Gutwetterfront und so holen die Männer und Musiker von “Cash for Trash” doch schnell die roten Badehosen raus und stürmen endlich und zu Recht, zu späterer Stunde auf dem “Timetable” die Bühne. Es ist nicht nur ein Festival für die Ohren, sondern mit Verlaub, auch für die Augen. Ich sehe lachende, sich miteinander verstehende Menschen. Es gleicht einem Familienfest auf dem jeder gern gesehen ist und wo nicht nur Alkohol die Stimmung aufrecht erhält. Mit Coversongs wie “Teenage dirtbag” begeistern auch junge Musiker (GCP), junge Schreiberlinge wie mich und lassen uns kurz nostalgisch werden. Ach ja, damals zu Gymnasium Zeiten als die Welt noch vom Direktor und späteren Bürgermeister der Stadt Kamen “Hermann Hupe” bestimmt wurde.

Ich werde aus meinen Träumereien gerissen, als besagter Mensch auf der Bühne steht und man ihm den Ehrenpreis “die gerissene Saite” überreicht. Ein Preis den besonders engagierte Menschen erhalten die den “Laut und lästig Verein”und somit auch das alljährliche Openair mit Veranstaltungsleiter Nils Dauk unterstützen. Dies hat “Hermann Hupe” seit Jahren und voller Begeisterung und somit verdient diese Auszeichnung erhalten. Es fällt mir schwer zum Ende zu kommen, auch wenn die Linkin Park Tribute Band “Thinkin Dark”, “in the End” ins Mikrofon singt. Es ist Abend geworden. Die Kulisse erstrahlt in bunten Farben, dass Bier schmeckt allen und das reichhaltige Essensangebot vor und hinter der Bühne, wird dankend angenommen. Bands wie die 2 Mann Kombo “the Pighounds” verdeutlichen das klein, nicht immer leise heißt. Qualität statt Quantität.

Zu später Stunde ist es dann auch mit mehreren hundert Menschen gut gefüllt und “Liedfett” reißen die Meute mit guter Laune und extremer Energie, mit direkt eingebauter Zugabe mit. Der Abend endet mit großem Applaus und zufriedenen Gesichtern. Auch wir, möchten Danke sagen. Danke für diesen Tag. 2017 habe ich mich ins “LUL” verknallt. 2018 wurde daraus eine feste Beziehung.

Ich könnte spoilern und sagen, nächstes Jahr, wird geheiratet. Also, seid dabei. Bis in 2019

* von Meike Flesch